Mehr als 200 Gas-Versorger erhöhen erneut die Preise

Berlin (AFP) — Auf die Gas-Kunden hierzulande kommt schon die sechste und zugleich größte Preiserhöhungsrunde in diesem Jahr zu. Wie das unabhängige Verbraucherportal Verivox ermittelte, werden 103 der insgesamt 750 Gas-Anbieter in Deutschland ihre Preise zum 1. September um durchschnittlich 17,7 Prozent erhöhen. Bereits zum 1. August hatten 104 Anbieter Preiserhöhungen angekündigt. Ein Musterhaushalt muss sich damit auf eine Mehrbelastung von 202 Euro im Jahr gefasst machen.

"Nach Januar, März, Mai, Juni und Juli ist dies bereits die sechste und die bei weitem stärkste Preisrunde in diesem Jahr", erklärte Peter Reese, Leiter Energiewirtschaft bei Verivox. Der Trend dürfte sich in den kommenden Monaten bundesweit fortsetzen. "Wir gehen davon aus, dass die Gaspreise bis Jahresende bundesweit um durchschnittlich 20 Prozent erhöht werden", erklärte Reese. Die gestiegenen Ölpreise werden Reese würden auch in den kommenden Monaten für "drastisch steigende Gaspreise" in Deutschland sorgen. Der Gaspreis ist in Deutschland an den Ölpreis gekoppelt.

Die aktuelle Preisrunde macht sich regional unterschiedlich stark bemerkbar. Am stärksten betroffen ist Nordrhein-Westfalen, wo 41 Anbieter ihre Preise um im Schnitt 15 Prozent erhöhen. Die größten Mehrkosten kommen auf Kunden von Tochterunternehmen des Energiekonzerns RWE zu. Die RWE Westfalen-Weser-Ems erhöht im Emsland ihre Preise um 29 Prozent, in der Region Westfalen-Weser um 27 Prozent. Ein Durchschnittshaushalt mit einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden muss dort in der Folge 376 Euro mehr im Jahr zahlen.

Der Energieexperte des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen, Holger Krawinkel, riet zum Energiesparen. Für Eigenheimbesitzer sei das leichter, sagte er MDR Info: "Sie können selbst investieren, möglicherweise die Heizungsanlage erneuern oder das Gebäude dämmen." Für Mieter sei dies deutlich schwieriger, da müsse Druck auf die Wohnungsbaugesellschaften oder die Vermieter ausgeübt werden. Verivox empfahl, die Preise der Anbieter in der Region zu vergleichen und gegebenenfalls den Gasversorger zu wechseln. Auch damit ließen sich zum Teil hunderte Euro sparen.