Kirgisischer Schriftsteller Aitmatow in Nürnberg gestorben

Moskau (AFP) — Der kirgisische Schriftsteller Tschingis Aitmatow, einer der bekanntesten Schriftsteller der Sowjet-Ära, ist tot. Er starb im Alter von 79 Jahren in Nürnberg an den Folgen einer schweren Lungenentzündung, wie der Pressedienst der kirgisischen Präsidentschaft mitteilte. Aitmatow war Mitte Mai aus dem Krankenhaus im russischen Kasan auf die Intensivstation des Klinikums Nürnberg verlegt worden. 1963 hatte er den Lenin-Preis erhalten, später die Reformpolitik des Sowjetführers Michail Gorbatschow mitgetragen und seit den 90er Jahren mehrfach Botschafterposten für Russland und Kirgisien im Westen übernommen.

Den internationalen Durchbruch brachte Aitmatow seine später auch verfilmte Liebesgeschichte "Dschamila" aus dem Jahr 1958. Darin geht es um die Frau eines Soldaten, die sich in einen anderen Mann verliebt. Schriftstellerkollege Luis Aragon sprach von der "schönsten Liebesgeschichte der Welt". Für den Roman "Abschied von Gülsary" erhielt Aitmatow in den 1960er Jahren den Staatspreis der UdSSR. Der Roman "Der Richtplatz" von 1985 thematisiert die Perestroika und Fragen des Umweltschutzes unter Gorbatschow.

In seinem im vergangenen Jahr erschienenen Buch "Der Schneeleopard" schildert Aitmatow die Lage in seiner Heimat Kirgisien nach dem Ende der Sowjetunion. Viele Bücher Aitmatows wurden in Deutschland veröffentlicht. Mehrfach war Aitmatow für den Literatur-Nobelpreis im Gespräch, in diesem Jahr wurde er sogar offiziell vorgeschlagen.

Aitmatow schrieb seine Werke zum Teil in russischer, zum Teil in kirgisischer Sprache. Noch kürzlich kündigte er neue Veröffentlichungen an, Romane "über das Moderne, die Liebe".

Obwohl sein Vater, ein überzeugter Kommunist, in den 30er Jahren den stalinistischen "Säuberungen" zum Opfer fiel, und der kleine Junge Tschingis mit zehn Jahren zur Zwangsarbeit herangezogen wurde, machte Aitmatow seinen Frieden mit dem Sowjetsystem. Er wurde 1956 in das berühmte Literatur-Institut Maxim Gorki in Moskau aufgenommen und erhielt neben dem Lenin-Preis mehrfach den Staatspreis der UdSSR.

1978 wurde Aitmatow als "Held der sozialistischen Arbeit" ausgezeichnet. Nach dem Untergang der Sowjetunion wurde er russischer Botschafter bei der Europäischen Union und bei der NATO, von 1993 bis März 2008 übte er diese Funktionen für Kirgisien aus. Von 1995 bis 2000 war er außerdem Abgeordneter des kirgisischen Parlaments.