Lomé (AFP) — Angesichts der unverändert dramatischen Lage in den Überschwemmungsregionen in Afrika hat das UN-Kinderhilfswerk Unicef vor einer schleichenden humanitären Krise auf dem Kontinent gewarnt. Der Anteil der akut mangelernährten Kinder in den betroffenen Gebieten sei schon jetzt sehr hoch, hieß es in einer Erklärung der UN-Organisation. Die Lieferung von Lebensmitteln sei jedoch schwierig, weil viele Straßen von Schlamm bedeckt und nicht befahrbar seien. Die EU gab Fluthilfen in Höhe von zwei Millionen Euro für Sofortmaßnahmen in Togo, Burkina Faso und Ghana frei.
Von den schlimmsten Überschwemmungen seit drei Jahrzehnten sind in Afrika mehr als 20 Staaten betroffen. Seit Juli starben mehr als 350 Menschen, 1,5 Millionen Menschen wurden obdachlos. Besonders in Mitleidenschaft gezogen wurde der Sudan, wo nach UN-Schätzungen mehr als 620.000 Menschen hilfsbedürftig sind. Auch im Nachbarland Uganda sind demnach mindestens 400.000 Menschen von den Fluten betroffen. In Togo sind demnach mindestens 40.000 Menschen von den Fluten betroffen. Dort starben nach neuen Behördenangaben mindestens 23 Menschen bei den Überschwemmungen, die Zahl der Toten in Nigeria erhöhte sich nach Angaben des dortigen Roten Kreuzes von 24 auf 64. In Ruanda wurden nach Behördenangaben zwei Fälle von Cholera-Erkrankungen gemeldet.
Laut Unicef leiden in den betroffenen Ländern von Senegal im Osten bis Uganda im Westen vor allem die Ärmsten unter den Wassermassen. "Die meisten Familien haben ihre ganze Ernte verloren", sagte die Leiterin von Unicef Togo, Una McCauley. "Wir befürchten eine schleichende humanitäre Krise. Die schlimmsten Folgen der Flut werden erst sichtbar, wenn es für viele Kinder schon zu spät ist." Weil viele Schulgebäude beschädigt wurden, verschoben die Behörden Togos den für Mitte September vorgesehenen Schulbeginn auf den 17. Oktober. Auch in anderen Ländern können laut Unicef derzeit Millionen Kinder nicht zur Schule gehen.
Die EU sagte Soforthilfen in Höhe von zwei Millionen Euro für Togo, Burkina Faso und Ghana zu. Damit sollten die "dringlichsten Bedürfnisse" der Betroffenen wie Nahrungsmittel und Medikamente zur Vermeidung von Epidemien wie Malaria beschafft werden, erklärten Vertreter der EU-Kommission in Togos Hauptstadt Lomé.
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