Ausländer sind bei der Bildung stark benachteiligt

Berlin (AFP) — Die in Deutschland lebenden Ausländer sind bei der Bildung noch immer erheblich benachteiligt. 40 Prozent aller Jugendlichen ohne deutschen Pass bleiben ohne jede berufliche Qualifizierung, wie aus dem im Bundestag vorgestellten Ausländerbericht der Integrationsbeauftragten Maria Böhmer (CDU) hervorgeht. "Deshalb ist ihr Risiko, arbeitslos zu werden, doppelt so hoch wie bei den Deutschen", sagte Böhmer laut Redetext. Ebenfalls 40 Prozent der ausländischen Jugendlichen besuchten die Hauptschule, insgesamt 18 Prozent brächen ihre Schulausbildung ab. Lediglich acht Prozent schafften das Abitur.

Als Konsequenz mahnte Böhmer "neue Wege" in der Integrationspolitik an. "Noch immer hängt der Bildungserfolg in Deutschland von der ethnischen und der sozialen Herkunft ab." Jugendliche aus Zuwandererfamilien stammten häufig aus sozial schwachen Schichten und seien deshalb doppelt betroffen. Entscheidend für die Bildungschancen der jungen Ausländer sei indes auch, "ob zu Hause Deutsch gesprochen wird und wie Eltern ihre Kinder unterstützen.

Böhmer appellierte mit Nachdruck an die Länder, ihre Selbstverpflichtungen aus dem Nationalen Integrationsplan zu erfüllen und sich stärker für Bildung und Integration einzusetzen. Zwar sei bereits einiges erreicht worden. Aber die PISA-Studie und der jüngste Bildungsbericht zeigten, dass die Länder "mit Hochdruck weiterarbeiten" müssten. "Gemeinsam müssen wir noch mehr tun", fügte Böhmer hinzu. "Wir müssen noch besser werden."

Böhmer rief zugleich die Wirtschaft zu mehr Anstrengungen für die Integration auf. Die Kenntnisse und Fähigkeiten von Zuwanderern müssten stärker anerkannt und genutzt werden. Das sei ökonomische Notwendigkeit und moralische Pflicht, wonach sich auch immer mehr Unternehmen richteten.

Böhmer zog insgesamt eine positive Bilanz der deutschen Integrationspolitik. Jedes Jahr stelle der Bund für diese Schlüsselaufgabe eine dreiviertel Milliarde Euro bereit. Allein für die Integrationskurse seien es 155 Millionen Euro. Diese Mittel seien eine gute Investition in die Zukunft. "Wir haben ein Umdenken in Gang gebracht: Schluss mit der Ideologie, keine Schönfärberei, wo Probleme existieren; aber auch keine Probleme konstruieren, die es nicht gibt."