Berlin/Neurath (AFP) — Am Weltklimatag haben bundesweit etwa 10.000 Menschen für den Klimaschutz demonstriert. Allein in Berlin beteiligten sich nach Angaben von Greenpeace-Klimaexperte Andree Böhling etwa 5000 Menschen an einem Marsch zum Brandenburger Tor. Auch in weiteren Städten, darunter München, Freiburg, Mainz, Hannover, Nürnberg und Saarbrücken, gingen demnach hunderte Menschen auf die Straße. Eine der größten Aktionen fand in Neurath bei Düsseldorf statt, wo nach Angaben der Klimaallianz mehr als 3000 Menschen gegen den Bau eines neuen Braunkohlekraftwerks protestierten.
Aufgerufen zu den Demonstrationen am Weltklimatag hatte die Klima-Allianz, der mehr als 80 Organisationen aus den Bereichen Umwelt, Entwicklung, Verbraucher und Kirche angehören. Sie forderten die Politik auf, endlich konsequent eine klimaschonende Energiepolitik umzusetzen. Der Versammlungsleiter in Neurath und Geschäftsleiter der Umweltorganisation BUND in NRW, Dirk Jansen, sprach von einem "kraftvollen Signal für eine neue Klimaschutz-Bewegung". Neben der Demonstration vor Ort hätten sich zudem schon mindestens 4000 Menschen an einer Online-Menschenkette gegen neue Kohlekraftwerke beteiligt, so dass insgesamt mindestens 7000 Menschen dagegen protestiert hätten.
In Deutschland sind mehr als 20 neue Kohlekraftwerke im Bau oder geplant. Das größte davon ist das Braunkohlekraftwerk Neurath bei Düsseldorf. Jansen nannte es das "klimaschädlichste Kraftwerk ganz Europas". Es ist nach Ansicht der Klima-Allianz das "Symbol einer verfehlten deutschen Energiepolitik", denn kein anderer fossiler Brennstoff setze bei der Energieerzeugung so viel CO2 frei wie Braunkohle.
Die Demonstrationen im Bundesgebiet waren Teil der Aktionen zum weltweiten Klimatag. Im Bundesgebiet sollen am Abend zwischen 20.00 Uhr und 20.05 Uhr als Zeichen der Unterstützung auch viele Lichter ausgeschaltet werden, darunter die Fassadenbeleuchtungen weltberühmter Bauwerke wie des Kölner Doms und des Brandenburger Tors.
Unterstützung fand die Aktion "Licht aus", die am Abend stattfinden soll, in der Politik. Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) lobte die Idee als "sinnvolle globale Aktion" für den Klimaschutz. "Ich unterstütze das und werde auch das Licht ausschalten", sagte die Ministerin der "Passauer Neuen Presse". Auch der ehemalige Direktor des UN-Umweltprogramms, Klaus Töpfer, bewertete die Aktion grundsätzlich positiv. Die symbolische Maßnahme könne mehr Bewusstsein für den Klimaschutz schaffen: "Es ist ernst, es ist sehr ernst, wir müssen alle gemeinsam handeln", sagte er am Samstag im RBB. SPD-Chef Kurt Beck rief ebenfalls zum Klimaschutz auf: "Wer internationalen Verzicht predigt und im eigenen Land nichts tut, handelt unglaubwürdig."
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