Knobloch hebt Bedeutung Israels für deutsche Juden hervor

München (AFP) — Die Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, hat die Bedeutung Israels für die in Deutschland lebenden Menschen jüdischen Glaubens hervorgehoben. "Das Land Israel ist für die heute in Deutschland lebenden Juden die geistige Heimat", sagte Knobloch der Nachrichtenagentur AFP. "Die Bedeutung dieses Landes kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden, denn die Existenz eines jüdischen Staates bedeutet einen Rückhalt, den das jüdische Volk über fast zwei Jahrtausende nicht hatte." Israel feiert in diesen Tagen den 60. Jahrestag seiner Staatsgründung.

Knobloch widersprach ausdrücklich den in Israel zum Teil noch bestehenden Vorbehalten dagegen, dass Juden in Deutschland leben. Deutschland sei heute ein freies, demokratisches Land. Außerdem hätten sich die Menschen "in ihrer ganz überwiegenden Mehrheit" zu der Verantwortung bekannt, die aus den Geschehnissen der Shoa erwachse. "Es ist also keine Torheit, hier zu leben, wenn hier die familiären Wurzeln sind oder man eine neue Heimat gefunden hat." Sie empfinde überdies das Verhältnis der beiden Staaten als "von Freundschaft geprägt und äußerst konstruktiv". Dies beweise beispielhaft nicht zuletzt der Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vor wenigen Wochen in Israel.

Auch 60 Jahre nach Gründung des Staates Israel empfinde sie dessen Lage als "prekär", sagte Knobloch weiter. "Von Sicherheit kann keine Rede sein." Noch immer würden täglich Raketen auf Israel niedergehen, "die von palästinensischen Extremisten abgeschossen wurden". Und im Iran predige Präsident Mahmud Ahmadinedschad die Vernichtung des jüdischen Staates. Knobloch würdigte aber auch, dass es "vorsichtige Anzeichen für Friedensverhandlungen" gebe. Dennoch brauche Israel seine Freunde, "auch Deutschland zählt dazu".

Für die Zukunft wünsche sie Israel, "das ein dauerhafter Frieden in der Nahost-Region möglich wird", sagte Knobloch. "Wir alle können auch in Deutschland eine Menge dafür tun. Dazu sei Solidarität ebenso wichtig wie eine ausgewogene Sicht auf den bewaffneten Konflikt mit den Palästinensern. "Einseitigkeit, häufig sieht man sie zugunsten der radikalen Palästinenser, hilft niemandem."