Marburger Bund sieht "positive Signale" im Ärzte-Tarifstreit

Düsseldorf (AFP) — In den Tarifverhandlungen für die Ärzte an kommunalen Kliniken gibt es offenbar erste Fortschritte. Nach der zweiten Verhandlungsrunde in Düsseldorf sprach die Ärztegewerkschaft Marburger Bund (MB) von "intensiven und interessanten" Beratungen. Die Gesprächsrunde habe "positive Signale" für ein weiteres Treffen ergeben, sagte MB-Verhandlungsführer Lutz Hammerschlag. Die dritte Tarifrunde soll nun am 20. und 21. Februar in Offenbach stattfinden. Laut Hammerschlag wollen die Arbeitgeber dann ein konkretes Angebot für die rund 55.000 Ärzte an den kommunalen Krankenhäusern vorlegen.

Der Marburger Bund fordert für die Mediziner an den rund 700 kommunalen Kliniken durchschnittlich gut zehn Prozent mehr Gehalt. Außerdem will die Gewerkschaft die Anhebung der Gehälter in Ostdeutschland auf das Westniveau durchsetzen. Der Marburger Bund begründet seine Forderung unter anderem mit besseren Verdienstmöglichkeiten für Mediziner im Ausland, die eine verstärkte Abwanderung deutscher Ärzte zur Folge hätten. Auch verdienten Ärzte an anderen Krankenhäusern in Deutschland mehr Geld als die Mediziner an den kommunalen Kliniken. Zudem führten lange Arbeitszeiten, unvergütete Überstunden und kaum planbare Freizeit zu erheblichem Frust bei den Klinikärzten.

Hammerschlag sagte mit Blick auf die zweite Verhandlungsrunde, die Tarifparteien seien "in einzelne Positionen unserer Forderungstabelle detailliert eingestiegen". Auf dieser Verhandlungsgrundlage lasse sich bei der dritten Runde Ende Februar aufbauen. Weitere Einzelheiten nannte der MB-Verhandlungsführer nicht. Der Marburger Bund hatte vor der zweiten Gesprächsrunde mit Warnstreiks für den Fall gedroht, dass die Arbeitgeber nicht umgehend ein Angebot vorlegen.

Die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) hatte die Forderungen der Ärztegewerkschaft zum Auftakt der Verhandlungen vor zwei Wochen als unerfüllbar zurückgewiesen. Für Gehaltssteigerungen gebe es keinen finanziellen Spielraum. Vielmehr würden deutliche Einkommenserhöhungen zu Stellenabbau an den kommunalen Krankenhäusern und Einsparungen in anderen Bereichen führen.

Der Marburger Bund hatte vor eineinhalb Jahren mit einem mehrwöchigen Streik erstmals einen eigenen Ärzte-Tarifvertrag sowie Gehaltserhöhungen um bis zu 13 Prozent durchgesetzt. Der Abschluss lag deutlich über dem Verhandlungsergebnis der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi.