Euro durchbricht erstmals Marke von 1,50 Dollar

London/Berlin (AFP) — Der Euro hat erstmals die Marke von 1,50 Dollar durchbrochen. Am Morgen stieg der Kurs der europäischen Gemeinschaftswährung vorübergehend auf 1,5088 Dollar. Die deutsche Wirtschaft sieht trotzdem noch keine Gefahr für den Export, andere Euro-Länder bangen jedoch bereits um ihre Konkurrenzfähigkeit. Als Grund für den Kurssprung sehen Analysten überraschend positive Wirtschaftsdaten für Deutschland. In Folge der der Dollar-Schwäche stiegen die Preise für Öl und Gold auf historische Rekordstände. Auch die Spritpreise in Deutschland steigen weiter.

Der hohe Euro-Stand sei ein "Ausreißer nach oben", der jedoch noch keine Gefahr für die deutsche Exportwirtschaft sei, sagte der Chefvolkswirt des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier, der Nachrichtenagentur AFP. Die Folgen seien begrenzt, da etwa 85 Prozent der deutschen Exporte in Euro abgerechnet würden.

Zudem sei die Nachfrage in den Schwellenländern nach deutschen Produkten ungebrochen, dort seien deutsche Firmen "besser positioniert denn je". Kritisch werde es erst, wenn der Euro über ein halbes Jahr hinweg bei 1,55 bis 1,60 Dollar stehe, sagte Treier. Dann sei der niedrige Dollar-Kurs ein Anzeichen für eine schwächelnde US-Wirtschaft, wobei dann auch die Weltwirtschaft Schaden zu erwarten habe. "Dann nehmen die Belastungen zu."

Andere Euro-Länder sorgen sich bereits jetzt um ihre Exportbilanz. Der hohe Euro-Kurs biete Spannungspotenzial zwischen Deutschland und den Niederlanden auf der einen sowie Frankreich und Italien auf der anderen Seite, sagte Simon Tilford vom Londoner Centre for European Reform. Frankreich sieht die Wettbewerbsfähigkeit seiner Unternehmen auf dem Exportmarkt durch den starken Euro in Gefahr. Schon im vergangenen Jahr belief sich das französische Handelsdefizit auf die Rekordsumme von 39 Milliarden Euro.

Angetrieben vom schwachen Dollar stiegen die Preise für Öl und Gold auf historische Rekordstände. Die in New York gehandelte Öl-Sorte Light Sweet Crude kostete 102 Dollar pro Barrel (159 Liter). Der Barrelpreis für die Nordseesorte Brent stieg auf 100,53 Dollar.