Experten geben USA schlechte Noten bei Abwehr von Anschlägen

Washington/London (AFP) — Sieben Jahre nach den Flugzeuganschlägen vom 11. September hat ein Expertengremium der US-Regierung schlechte Vorkehrungen gegen einen Terroranschlag mit Massenvernichtungswaffen vorgehalten. Die Anstrengungen der Regierung seien in diesem Bereich allenfalls mit der Schulnote "befriedigend" zu bewerten, hieß es in einem Gutachten der parteiübergreifenden Gruppe Partnership for a Secure America (PSA), der Sicherheitsberater und hochrangige Ex-Diplomaten mehrerer US-Regierungen angehören. Das Gutachten soll heute offiziell vorgestellt werden.

Als Grundlage für ihre Bewertungen zog die Gruppe den Abschlussbericht der überparteilichen Untersuchungskommission zu den Anschlägen vom 11. September 2001 aus dem Jahr 2004 heran, der der Regierung "maximale Anstrengungen" bei der Abwehr von Anschlägen mit ABC-Waffen empfahl. "Heute ist die Gefahr eines neuen großen Terroranschlags in den USA immer noch sehr real", heißt es in dem Bericht. Ein atomarer, biologischer oder chemischer Anschlag sei "die größte Bedrohung für unsere Nation". Die Abwehr solcher Anschläge müsse für die nächste US-Regierung die höchste Priorität haben.

Mehrere britische Universitäten legten derweil eine Studie zur Evakuierung des World Trade Center am Tag der Flugzeuganschläge vor. Eine Befragung von 271 Überlebenden habe ergeben, dass nach dem Einschlagen der Flugzeuge mehr als die Hälfte zunächst weiter ihrer Arbeit nachging, ehe sie dem Evakuierungsbefehl folgte, hieß es in der Studie der Universitäten Greenwich, Ulster und Liverpool. Die Flucht durch das Treppenhaus habe wegen der Enge länger gedauert als vorgesehen.

Auf Grundlage von Computerberechnungen ermittelten die Wissenschaftler auch, dass allein im Nordturm 7592 Menschen hätten getötet werden können, wenn das Gebäude voll ausgelastet gewesen wäre. Zum Zeitpunkt der Anschläge befanden sich aber nur etwa 8000 Menschen in dem Turm, in dem Platz für insgesamt 25.000 Menschen war. Gestorben sind im Nordturm 1462 Menschen. Die Forscher wollen die mehr als 6000 Datenseiten ihrer Studie im Internet zugänglich machen, um auf deren Grundlage zur Verbesserung der Sicherheitseinrichtungen in Wolkenkratzern beizutragen.