Merkel ignorierte in 90ern angeblich Warnungen zu Morsleben

Hamburg (AFP) — Kanzlerin Angela Merkel (CDU) soll in ihrer Zeit als Bundesumweltministerin Expertenwarnungen in Zusammenhang mit dem unsicheren Atommülllager Morsleben in Sachsen-Anhalt ignoriert haben. Schon vor der Wiedervereinigung hätten mehrere Gutachter die Standsicherheit der früheren Salzgrube bezweifelt, berichtet der "Spiegel". Auch Mitarbeiter des Bundesamtes für Strahlenschutz und die Regierung von Sachsen-Anhalt hielten die Anlage demnach nicht für geeignet, Atommüll zu entsorgen.

Merkel habe aber in einem Schreiben vom 8. Juni 1995 an das Landesumweltministerium versichert, es gebe "kein Sicherheitsdefizit" und sich eine weitere Einmischung von Landesseite verbeten. Laut "Spiegel" soll Merkel am 9. September 1997 trotz Bedenken des Landes angeordnet haben, dass Atommüll-Fässer mit bis zu 1100 Kilogramm Gewicht in die Grube eingebracht werden durften. Dem Bericht zufolge ließ Merkel erklären, sie habe sich "bei der Bewertung auf die Erkenntnisse der fachlich zuständigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesumweltministeriums und des Bundesamtes für Strahlenschutz gestützt".

Seit dem Stopp der Atommülllagerung in Morsleben 1998 wird das Lager aufwendig stabilisiert, weil es inzwischen als stark einsturzgefährdet gilt. Die Kosten für die Schließung der Grube werden laut "Spiegel" auf 2,2 Milliarden Euro geschätzt.

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