Datenskandal bei T-Mobile: Mehr als 17 Millionen Kundendaten geklaut

Berlin (AFP) — Ein Datenskandal ungeheuren Ausmaßes erschüttert die Deutsche Telekom: Mehr als 17 Millionen Kundendaten mit privaten Angaben wie Adressen, Geburtsdaten, Handy-Nummern und teils auch e-mail-Adressen wurden bei der Mobilfunksparte T-Mobile gestohlen. Wie Telekom-Sprecher Frank Domagala der Nachrichtenagentur AFP am Wochenende sagte, sind davon auch Prominente betroffen. "Der Spiegel" berichtete, sogar die Daten von Ministern, Wirtschaftsführern, Milliardären und Show-Größen seien darunter. Das Bundesinnenministerium lässt nun eine Gefährdung von hochrangigen Persönlichkeiten prüfen. Der Datenklau ereignete sich bereits im Jahr 2006.

Die Telekom sieht hinter dem Diebstahl "extrem kriminelle Energie". Doch seien keine Bankdaten, Kreditkartennummern oder Verbindungsdaten gestohlen worden, hob der Sprecher hervor. Die Staatsanwaltschaft sei im Frühjahr 2006 eingeschaltet worden. Er unterstrich: "Nach unseren Erkenntnissen wurden die Daten am Schwarzmarkt angeboten, es hat aber keinen Abnehmer bisher gegeben." Zudem seien die Daten demnach in vollem Umfang sichergestellt worden. Es sei auch der Markt beobachtet worden, ob Kopien im Umlauf seien. Es habe allerdings keine Häufung von Kundenbeschwerden gegeben. Für Kunden wurde eine kostenlose Hotline unter der Nummer 0800-330034505 geschaltet.

Die Telekom begründete die späte Information der Kunden und der Öffentlichkeit damit, dass in enger Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft zunächst die Diebe dingfest gemacht werden sollten. Laut Telekom wurden von den Ermittlern auch Datenträger sichergestellt. Da es keine Anhaltspunkte für einen Verkauf der Daten gegeben habe, ging der Konzern offenbar davon aus, dass der Fall erledigt sei, bis die Daten nun beim "Spiegel" wieder auftauchten. Das Unternehmen hatte nach dem Diebstahl die Sicherheitsstandards noch einmal verschärft und unter anderem die Zugriffsrechte auf Datenbanken eingeschränkt.

Dem "Spiegel" liegen nach eigenen Angaben die Kundendaten vor, die bereits im Internet in kriminellen Kreisen angeboten worden seien. Unter den Prominenten seien Show-Größen wie Günther Jauch und Hape Kerkeling sowie unter anderem Ex-Bundespräsidenten und andere bekannte Politiker. Für sie wäre eine Verbreitung ihrer Daten in kriminellen Kreisen eine Bedrohung ihrer Sicherheit.

Das Bundesinnenministerium, das erst in der vergangenen Woche über die Vorfälle informiert wurde, ließ deshalb vom Bundeskriminalamt (BKA) eine Gefährdungsanalyse erstellen, wie eine Sprecherin auf Anfrage mitteilte. "Wir kümmern uns, wir sind da dran." Nähere Einzelheiten wollte sie nicht mitteilen.

Der Sprecher der Bonner Staatsanwaltschaft, Fred Apostel, bestätigte die Ermittlungen seit 2006. "Wir ermitteln noch", sagte er AFP. Das Verfahren richte sich gegen Tatverdächtige. Nähere Einzelheiten wollte auch er zunächst nicht nennen.

Die Opposition im Bundestag forderte rechtliche Konsequenzen: Die umstrittene Vorratsdatenspeicherung müsse sofort zurückgenommen werden, erklärte der Grünen-Parlamentsgeschäftsführer Volker Beck am Samstag in Berlin. Die Daten der Bürger seien bei der Telekom nicht sicher. "Wir brauchen umgehend ein neues, restriktives Datenschutzrecht", erklärte Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau (Linke). Auch die FDP-Innenexpertin Gisela Piltz forderte eine verbesserte Datensicherheit.

Die Telekom ist seit Monaten wegen Daten-Skandalen in den Schlagzeilen. Zuletzt war bekanntgeworden, dass in der Spitzelaffäre, bei der Telefonverbindungen von führenden Mitarbeitern ausspioniert wurden, auch Prominente wie DGB-Chef Michael Sommer ausgespäht wurden, der im Aufsichtsrat der Telekom sitzt.