Vermutlich mehr als 140 Flüchtlinge am Wochenende ertrunken
Ankara (AFP) — Bei mehreren Schiffsunglücken sind am Wochenende im Mittelmeer und im Atlantik möglicherweise mehr als 140 Flüchtlinge getötet worden. Allein vor der türkischen Küste ertranken nach Behördenangaben mindestens 51 Flüchtlinge. Zahlreiche weitere werden vermisst. Im Atlantik vor Marokko wurden mindestens 50 Menschen vermisst, die die Kanarischen Inseln erreichen wollten. Bei einem weiteren Vorfall starben laut Polizei rund 40 Afrikaner vor dem Senegal, die ebenfalls auf dem Weg zu den Kanaren waren. Unterdessen nahm die griechische Polizei mehr als 110 Flüchtlinge fest.
Das vor der türkischen Küste verunglückte Schiff, das bis zu 85 Menschen an Bord hatte, sei in der Nacht zum Sonntag wegen schlechten Wetters im Mittelmeer gesunken, sagte ein türkischer Behördensprecher. "Bisher haben wir 51 Leichname gefunden, darunter zwei Frauen", sagte Orhan Sefik Güldibi, Verwaltungsvize in Seferihisar in der Nähe der Stadt Izmir. Sechs Überlebende seien gerettet worden, darunter zwei Palästinenser. Sie seien ins Krankenhaus gebracht worden. An Bord des 15 Meter langen Boots seien mindestens 60 Menschen gewesen, vermutlich Palästinenser, Somalier und Iraker. Nach Angaben des türkischen Küstenschutzes waren etwa 85 Menschen an Bord. Die Türkei ist eines der bedeutendsten Durchgangsländer für Schlepper und Menschenhändler, die Flüchtlinge aus Asien und Afrika nach Europa bringen.
Das am Samstag vor dem Senegal auf Grund gelaufene Boot war Ende November mit 130 Menschen an Bord gestartet. Die rund 90 Überlebenden berichteten nach Angaben eines Polizeisprechers, 40 Menschen seien während der Fahrt ums Leben gekommen. "Wir hatten nicht genügend zu essen und zu trinken", sagte ein Nigerianer. "Nach sieben Tagen war nichts mehr übrig." Die Flüchtlinge stammten hauptsächlich aus dem Senegal und aus Gambia.
Ein in Mauretanien gestartetes Boot sank ebenfalls am Samstag bei schlechtem Wetter im Atlantik. Mindestens 50 Menschen, die auf die Kanaren wollten, werden vermisst. Ein marokkanisches Fischerboot alarmierte die Marine des Landes, die daraufhin sechs Menschen retten konnte. Die Suche nach Überlebenden gehe weiter, teilten die Behörden mit.
Im Oktober hatte ein in Italien ansässiges Beobachterorganisation erklärt, in diesem Jahr hätten bereits knapp 1100 Menschen ihr Leben bei dem Versuch gelassen, in die Europäische Union zu gelangen.
Die griechische Hafenpolizei nahm 113 Menschen fest, die aus der Türkei kamen. Die Männer hätten erklärt, sie seien Afghanen, teilten die griechischen Behörden mit.

