In Deutschland bahnt sich riesiger Steuerskandal an

Bochum (AFP) — In Deutschland bahnt sich einer der größten Steuerskandale aller Zeiten an: Hunderte mutmaßliche Steuersünder, darunter Prominente, sind ins Visier der Justiz geraten, wie Staatsanwaltschaft Bochum und Bundesregierung mitteilten. Laut "Süddeutscher Zeitung" sollen bis zu 3,4 Milliarden Euro über Geldanlagen in Liechtenstein am Fiskus vorbeigeschleust worden sein. Postchef Klaus Zumwinkel bot seinen Rücktritt an. Er sagte, er wolle bei der Aufklärung der Vorwürfe eng mit den Behörden zusammenarbeiten. Nachfolger an der Spitze der Post soll offenbar Vorstand Frank Appel werden.

Die Staatsanwaltschaft führe 700 Verfahren wegen Steuerhinterziehung in Liechtenstein, berichtet die "SZ" unter Berufung auf informierte Kreise. In diesem Zusammenhang gebe es 900 Durchsuchungsbefehle.

Die betroffene liechtensteinische Bank geht Hinweisen auf die Weitergabe gestohlener Kundendaten nach. Wie die LGT-Gruppe in Vaduz erklärte, wurde der im Jahr 2002 begangene Datendiebstahl bei der von der LGT Bank unabhängigen Tochtergesellschaft LGT Treuhand AG bereits 2003 gerichtlich verfolgt. Ein früherer Mitarbeiter sei rechtskräftig verurteilt worden.

In den Skandal ist offenbar nicht nur die LGT-Bank verwickelt. "Es sieht so aus, als sei nicht nur eine Bank betroffen", sagte der federführende Verfolger der Staatsanwaltschaft Bochum, Eduard Gürhoff, der Online-Ausgabe des "Handelsblatts". Schon kommende Woche sei mit weiteren Durchsuchungsaktionen zu rechnen, berichtet das Blatt unter Berufung auf Fahnderkreise.

Zumwinkel bot dem Post-Aufsichtsrat seinen Rücktritt an. Laut Bundesregierung hat er seine Schuld eingestanden. "An der Aufklärung der Fragen zu meinen privaten Finanzverhältnissen werde ich mich aktiv beteiligen", sagte Zumwinkel der "Bild"-Zeitung.

Der Präsidialausschuss des Aufsichtsrates nahm das Rücktrittsangebot zur Kenntnis und drückte sein Bedauern aus. Entschieden werden soll darüber offiziell in der nächsten Aufsichtsratssitzung, die vermutlich am Montag stattfinden wird. Dann soll laut "FTD" auch die Entscheidung für Appel fallen. Der 46-Jährige ist seit dem Jahr 2000 in führender Position bei der Post und derzeit als Vorstand zuständig für Logistik und das internationale Briefgeschäft. Die Deutsche Telekom bestätigte unterdessen, dass Zumwinkel auch sein Aufsichtsratsmandat in dem Telekommunikationskonzern niederlegen wird.