Natascha Kampuschs erster Auftritt als TV-Moderatorin

Wien (AFP) — Sie ist erst 20 Jahre alt, durchaus charmant, aber auch schüchtern und sichtlich angespannt - und doch hat ihr Debüt als Talkshow-Moderatorin für großes Interesse gesorgt: Fast zwei Jahre nach der spektakulären Flucht interviewte das österreichische Entführungsopfer Natascha Kampusch am Sonntagabend im Privatfernseher "Puls 4" die Formel 1-Legende Niki Lauda. Die meisten Zuschauer interessierte dabei vor allem das Schicksal der Moderatorin - doch wer hoffte, mehr Einzelheiten über Kampusch selbst zu erfahren, sah sich enttäuscht: Die meiste Zeit redete Lauda.

Dessen - ebenfalls interessante - Lebensgeschichte ist bereits hinlänglich bekannt. Allerdings versuchte der 59-Jährige immer wieder, sein Schicksal mit dem seiner jungen Gastgeberin zu verknüpfen: "Wir haben beide auf verschiedene Arten Extreme erlebt", sagte er in Anspielung auf seinen schweren Unfall 1976 auf dem Nürburgring, der ihm fast das Leben gekostet hätte. Kampuschs Scheu, über die acht Jahre mit ihrem Entführer Wolfgang Priklopil zu sprechen oder allgemein Persönliches preiszugeben, ist augenfällig. So antwortet sie auf Laudas Gegenfrage zum Abschluss, was sie in den nächsten Jahren machen möchte, ausweichend: "Es gibt so viele Dinge. Ich will alles erforschen."

Kampuschs Debüt als Fernseh-Moderatorin ist nur konsequent - und ein weiterer Schritt aus ihrer Rolle als Entführungsopfer. Schon kurz nach ihrer Flucht im August 2006 hatte sie Interesse bekundet, Journalistin zu werden: Während ihrer jahrelangen Gefangenschaft seien Zeitungen und Fernsehen für sie das einzige Fenster zur Außenwelt gewesen. Dem Medienspektakel um sie überdrüssig geworden, hatte sie dann im vergangenen Dezember angekündigt, sie würde gerne die Rolle tauschen und nun selbst Interviews führen.

Beim Start-up-Kanal "Puls 4" kann die 20-Jährige nun testen, ob ihr der Beruf tatsächlich liegt. Bei der Vorbereitung zu "Natascha Kampusch trifft" wurde sie von ihren Psychologen begleitet, zweimal wurde ihre für Februar geplante erste Sendung verschoben. Laut ihrem Medienberater Dusan Uzelac sieht Kampusch ihr Engagement als eine "Möglichkeit zur Ausbildung". Sie bekomme unmittelbar kein Honorar, lediglich eine "Aufwandsentschädigung", sowie ein Großteil eventueller Verwertungseinnahmen. Vorgesehen sind zunächst sechs Sendungen.