NRW-Regierung lässt Umstände von Schüler-Selbstmord prüfen

Düsseldorf/Köln (AFP) — Die Düsseldorfer Landesregierung hat sich in die Debatte um Vorwürfe gegen die Kölner Polizei wegen des Selbstmords eines 17-jährigen Schülers eingeschaltet. Nach Angaben der Staatskanzlei veranlassten Innen- und Schulministerium eine "umfassende Prüfung" der Umstände, unter denen der Kölner Schüler nach einem Gespräch mit Schulleitung und Polizei am Freitag das Gymnasium verlassen hatte. Die Staatsanwaltschaft Köln bezog die weiter widersprüchlichen Angaben zum Umgang der Polizei mit dem 17-Jährigen in ihre laufenden Ermittlungen ein.

Vernehmungen von Polizisten und Lehrern sollen klären, ob ein Fremdverschulden am Tod des Schülers vorliegt. Der 17-Jährige hatte sich kurz nach dem Gespräch im Kölner Georg-Büchner-Gymnasium am Freitagnachmittag vor eine Straßenbahn geworfen. Während der stellvertretende Schulleiter Michael Wagenführ Zeitungsberichten zufolge von einer Flucht des Schülers aus dem Gymnasium sprach, betonte die Kölner Polizei, von einer Flucht oder einer anschließenden Suche nach dem Schüler hätten die beiden an dem Gespräch beteiligten Polizisten keine Kenntnis mehr erhalten. Auch sei dem 17-Jährigen in dem Gespräch mitgeteilt worden, dass keine Hinweise auf eine Straftat vorlägen und gegen ihn "keine weiteren polizeilichen Maßnahmen" getroffen würden.

Der Kölner Oberstaatsanwalt Alf Willwacher betonte, die Behörde prüfe derzeit die näheren Umstände des Selbstmords. Bisher gebe es aber keine Anhaltspunkte, die den Vorwurf der fahrlässigen Tötung durch Polizeibeamte rechtfertigten. Willwacher betonte, dass sich die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft derzeit nicht gegen die Polizei richten. Vielmehr erfolgten die Nachforschungen im Zuge des Todesermittlungsverfahrens, das bereits nach dem Suizid des 17-Jährigen eingeleitet worden war.

Anlass zu dem so genannten Gefährdergespräch zweier Beamter mit dem Schüler waren gewaltverherrlichende Bilder, die der 17-Jährige auf seine Homepage in einem Schülerportal gestellt hatte. Bei ihren Ermittlungen nach dem Selbstmord war die Polizei auf einen 18-jährigen Mitschüler gestoßen, der in ersten Vernehmungen von einem gemeinsam geplanten Amoklauf in der Kölner Schule berichtete. Daraufhin informierte die Polizei die Öffentlichkeit, dass ein Amoklauf am Georg-Büchner-Gymnasium verhindert worden sei. Nach weiteren Vernehmungen des 18-Jährigen stellte sich allerdings heraus, dass die beiden Schüler ihre Amokpläne schon vor Wochen aufgegeben hatten.

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