Eon kündigt Verkauf seines Stromnetzes an

Berlin (AFP) — Im Ringen um mehr Wettbewerb und niedrigere Preise auf dem Strommarkt gibt es eine überraschende Wendung: Deutschlands größter Stromversorger Eon kündigte an, sein Netz zu verkaufen. Zudem sollen 4800 Megawatt an Kraftwerks-Kapazitäten veräußert werden. Deutschland setzte sich beim Rat der EU-Energieminister in Brüssel weiter für eine Trennung von Kraftwerken und Leitungen ohne Verkäufe ein. "Das ist für uns eine prinzipielle Frage", sagte Wirtschaftsstaatssekretär Peter Hintze (CDU). Die Bündelung von Netzen und Kraftwerken gilt als Grund für mangelnden Wettbewerb auf dem Strommarkt.

Der Streit mit der EU-Kommission solle mit den Vorschlägen "konstruktiv" beendet werden, teilte Eon mit. Außerdem solle der Wettbewerb im deutschen Strommarkt im Interesse der Verbraucher und Industriekunden "noch stärkere Impulse" erhalten. Gegen Eon laufen derzeit zwei Kartellverfahren der EU.

Die EU-Kommission begrüßte die Vorschläge. Laut Kommission würden die Eon-Verkäufe den Wettbewerb zugunsten der Abnehmer stärken. Die EU-Wettbewerbsbehörde hatte Ende 2006 mehrere Eon-Töchter durchsucht.

Der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" zufolge wird der Wert der Netze mit über einer Milliarde Euro veranschlagt. Betriebswirtschaftlich spiele das Netz aber keine besondere Rolle mehr. Merkel sei von den Eon-Plänen "wenig erbaut" gewesen, schrieb die "FAZ" unter Berufung auf Koalitionskreise. Grund sei, dass sich Berlin auf Druck der Energiekonzerne in der EU vehement gegen die Kommissionspläne zur Aufspaltung wehre.

Darin hielt sie auch beim Treffen der EU-Energieminister fest. Wirtschaftsstaatssekretär Hintze sagte anschließend, Berlin würde selbst dann für einen Kompromiss eintreten, sollten alle deutschen Konzerne ihre Netze verkaufen. Dies erwarte er aber keinesfalls. Die Eon-Nachricht sorgte laut Hintze dafür, dass es für diese Aussprache "keine vollkommen optimale Kulisse" gegeben habe. Es sei auch "sicher verwunderlich", dass die EU-Kommission während dieses Ministertreffens den mit Eon ausgehandelten Verkauf des Netzes bekannt gegeben habe.

In der Debatte warben Deutschland und sieben weitere Staaten für einen "dritten Weg", bei dem die Energiekonzerne ihre Netze nicht verkaufen oder auf unabhängige Betreibergesellschaften übertragen müssten. Die acht Länder hätten ihr Ziel erreicht, dass nun auf der EU-Arbeitsebene auch über den "dritten Weg" diskutiert werde, betonte Hintze.

Karte