Nusa Dua (AFP) — Bei den Verhandlungen der Weltklimakonferenz auf Bali ist ein Durchbruch erzielt worden. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) sagte in Nusa Dua, ein in einer Ministergruppe erarbeiteter Text enthalte "sehr ambitionierte Ziele für die Industrieländer" sowie einen "deutlichen Hinweis" auf die Erkenntnisse des Weltklimarats (IPCC). Andere Punkte waren noch strittig. Aus der deutschen Delegation hieß es, von einem Ergebnis könne noch nicht gesprochen werden. Auch Gabriel sagte, morgen solle es weitere Verhandlungen geben. Der Minister äußerte sich zuversichtlich, dass ein Kompromiss erzielt werden könne.
Bei den anspruchsvollen Zielen handelt es sich laut Gabriel um eine Fußnote, die auf die Ergebnisse eines Treffens der Kyoto-Staaten im August in Wien verweist. Dort war eine Begrenzung des Treibhausgasausstoßes um 25 bis 40 Prozent bis 2020 für die Industriestaaten beschlossen worden, verglichen mit dem Stand von 1990. Allerdings gab es von Seiten Russlands offenbar noch Vorbehalte gegen diese Fußnote. In einem früheren Textentwurf war nur das generelle Ziel genannt worden, bis 2050 die Emissionen weltweit im Vergleich zum Jahr 2000 um mehr als 50 Prozent zu verringern.
Umstritten sind laut Gabriel weiterhin Forderungen der USA nach einer stärkeren Einbeziehung von Entwicklungsländern in die Anstrengungen für den Klimaschutz. Die Europäische Union sei in diesem Punkt "in einer echten Vermittlerrolle". "Ich glaube, dass man einen Kompromiss finden kann", äußerte sich Gabriel auch in diesem Punkt optimistisch." Wenn beide Seiten auf ihren Maximalpositionen beharren sollten, sei aber selbst ein Scheitern der Klimakonferenz noch nicht völlig auszuschließen.
Die Ergebnisse sollen am Samstagmorgen dem Plenum vorgelegt werden. In der Ministergruppe, der auch Gabriel angehörte, waren aber die USA und andere wichtige Akteure der unterschiedlichen Gruppen vertreten, so dass eine Zustimmung des Plenums als wahrscheinlich gilt.
Gegenstand der Debatten waren zuletzt noch Text und Präambel des Verhandlungsmandats für das geplante neue Klimaschutzabkommen. Dieser Vertrag soll 2009 abgeschlossen werden und 2012 das dann auslaufende Kyoto-Protokoll ablösen.
Wichtige Schwellen- und Entwicklungsländer wollten besonders die 50-Prozent-Vorgabe für 2050 nur akzeptieren, wenn die Industriestaaten zu zusätzlichen Verpflichtungen bereit wären. Ursprünglich hatte die Konferenz bereits am Abend enden sollen.
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