Bahn und Lokführergewerkschaft vorerst ohne Einigung

Berlin (AFP) — Die Deutsche Bahn und die Lokführergewerkschaft GDL haben zunächst keine Lösung ihres seit Monaten währenden Tarifstreits erzielt, sind aber nach dem ergebnislosen Ende stundenlanger Verhandlungen in der Nacht zum Dienstag wieder zu Gesprächen in Berlin zusammengekommen. Die GDL hatte das vorliegende Bahn-Angebot im Vorfeld als "Mogelpackung" zurückgewiesen, sich aber zu den Verhandlungen bereiterklärt. Die Gewerkschaft Transnet und die Wirtschaft warnten die GDL vor neuen Streiks.

Bahn-Chef Hartmut Mehdorn zeigte sich bei seiner Ankunft am Verhandlungsort in einem Berliner Hotel "optimistisch". Zugleich sagte er allerdings schwierige Gespräche voraus. Über die Dauer der Verhandlungen wollte er nicht spekulieren.

Bahn und GDL hatten am Montag erstmals seit Wochen wieder offiziell verhandelt.Bei dem Treffen ging es um ein Angebot des Konzerns, das den Lokführern Lohnerhöhungen von acht Prozent, bei Mehrarbeit von zwei Stunden pro Woche von 13 Prozent verspricht. Die GDL wollte zunächst nur sondieren, ob die Bahn die Kernforderung nach einem eigenen Tarifvertrag erfüllt. Andernfalls will die Gewerkschaft der Lokführer erneut zum Streik aufrufen.

Die Bahn hatte sich vor wenigen Tagen mit den beiden anderen Gewerkschaften im Konzern auf eine Tarifstruktur geeinigt, die vorsieht, dass unter einem Dachtarifvertrag einzelne Berufsgruppen spezielle Tarifverträge aushandeln. Nach Vorstellung der Bahn könnte auch die GDL einen solchen speziellen Tarifvertrag für die Lokführer aushandeln. Allerdings ähnelt dies erneut einem Prozedere, das schon im Rahmen eines Kompromisses im August vereinbart worden war. Der GDL hatte die damalige Vereinbarung in der Folge aber aufgekündigt.

Die Verhandlungsrunde in Berlin ist die erste nach einer Serie von Streiks der GDL. Zuvor waren die Spitzen von Bahn und Gewerkschaften lediglich zu Gesprächen zusammengekommen. Verhandlungen dagegen sind dagegen tarifrechtlich definiert. So lange sie andauern, gilt die so genannte Friedenspflicht, die Streiks verbietet.