Düsseldorf/Berlin (AFP) — Nach der angekündigten Schließung des Bochumer Nokia-Werks hat die Düsseldorfer Landesregierung den 2300 betroffenen Beschäftigten Hilfe zugesagt. Zugleich erinnerten Landeswirtschaftsministerin Christa Thoben und NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann (beide CDU) den Handy-Konzern am Dienstag in Düsseldorf an die Verantwortung für seine Mitarbeiter. "Wir werden den Nokia-Mitarbeitern, deren Arbeitsplätze in Bochum abgebaut werden sollen, mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln helfen", erklärten sie. "Aber zunächst einmal muss sich Nokia seiner Verantwortung stellen und alles ermöglichen, um möglichst viele Arbeitsplätze in Bochum zu erhalten".
Die beiden Düsseldorfer Kabinettsmitglieder erinnerten daran, dass die Ansiedlung von Nokia in Bochum "mit erheblichen öffentlichen Geldern von Bund und Land" gefördert worden sei. "Es kann nicht sein, dass der Standort Bochum jetzt zugunsten anderer Standorte in Europa, die mit EU-Geldern gefördert worden sind, einfach aufgegeben wird." Die wirtschaftliche Situation von Nokia sei gut, so dass sich das Unternehmen der Verantwortung für seine Mitarbeiter auch stellen könne. Thoben und Laumann betonten, den von Arbeitslosigkeit bedrohten Mitarbeitern müssten durch gezielte Weiterqualifikation neue Perspektiven eröffnet werden.
Die IG Metall kündigte derweil Widerstand gegen die Werksschließung an. "Das Werk in Bochum soll nicht geschlossen werden, weil es defizitär ist, sondern weil es der Gewinnsucht des Nokia-Managements nicht genügt. Das ist eine bodenlose Sauerei", erklärte Nordrhein-Westfalens IG-Metall-Chef Oliver Burkhard. Die Ankündigung von Nokia sei ein "Schlag ins Gesicht der Menschen, die tagtäglich gute Arbeit am Standort Bochum machen". Die Gewerkschaft werde sich "diesen Plänen entgegenstellen und die Arbeitsplätze nicht kampflos aufgebeben". Betroffen seien neben den 2300 Nokia-Mitarbeitern auch bis zu 1000 Leiharbeiter.
Der Telekommunikation-Branchenverband BITKOM nannte es bedauerlich, dass mit Nokia nun auch der letzte Handy-Hersteller seine deutsche Produktionsstätte schließt. "Der Exodus wird weitergehen, wenn die Politik nicht konsequent daran arbeitet, die Standortbedingungen zu verbessern", warnte BITKOM-Präsident August-Wilhelm Scheer. Dazu zählten ein flexibles Arbeitsrecht und ein modernes Bildungssystem. Notwendig seien auch maßvolle Lohnabschlüsse. "Dann kann es gelingen, zumindest die noch vorhandenen Produktionsstandorte für Infrastruktursysteme und Bauteile der Telekommunikation zu halten und Deutschland für international tätige Konzerne der Kommunikationstechnik wieder interessanter zu machen."
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