Steinmeier warnt vor Verblassen der Erinnerung an Holocaust

Berlin (AFP) — Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) will verhindern, dass der Völkermord an Europas Juden durch Nazi-Deutschland in Vergessenheit gerät. Es müsse "nicht nur in Gedenkstätten, sondern mitten in der Gesellschaft" an den Holocaust erinnert und gedacht werden, sagte Steinmeier anlässlich eines Festaktes des neugegründeten Ständigen Referats der internationalen "Task Force zur Holocaust-Pädagogik, -Erinnerung und -Erforschung" (ITF) am Dienstag in Berlin. Politik, Wissenschaft, Kirchen und vor allem die Bürger sollten "unsere Verantwortung" annehmen. Er warnte davor, dass die Erinnerung verblasse und abstrakter werde. Deshalb sei das "Wiedererwachen des jüdischen Lebens in Deutschland" ein erfreuliches Ereignis.

Die Existenz Israels zu schützen sei eine der Prioritäten der deutschen Politik, betonte der Außenminister. "Wir beobachten nach wie vor die beeindruckenden Indizien des Antisemitismus", sagte Steinmeier. Der Direktor der Gedenkstätte Jad Vaschem in Jerusalem, Avner Schalev, sagte, es gebe "große Herausforderungen" in den nächsten Jahren. So müsse darüber noch stärker nachgedacht werden, wie jungen Menschen der Holocaust beigebracht werde. "Wir brauchen einen didaktischen, kreativen Weg".

Die ITF wurde 1998 vom damaligen schwedischen Premierminister Göran Persson initiiert und 2000 auf einer Gründungskonferenz in Stockholm förmlich ins Leben gerufen. Sie hat derzeit 25 Mitgliedsstaaten und setzt sich aus Regierungen und Nicht-Regierungsorganisationen zusammen. Ihr Ziel ist es, die Erinnerung an den Holocaust wachzuhalten und Holocaust-Pädagogik und -Forschung zu fördern. Damit sollen auch antisemitischen Tendenzen entgegengewirkt werden.