Irak bestellt nach Luftangriffen türkischen Botschafter ein

Bagdad (AFP) — Nach den türkischen Luftangriffen im Nordirak hat der irakische Vize-Außenminister Mahmud el Hadsch Humud den türkischen Botschafter in Bagdad einbestellt. Derartige Angriffe bedrohten die "freundschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern", erklärte er im Anschluss. Durch den Angriff seien "Krankenhäuser, Schulen und Brücken" zerstört worden. "Wir fordern, dass die türkischen Behörden derartige Aktionen gegen Unschuldige beenden." Die türkische Armee hatte im Konflikt mit der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) in der Nacht zum Sonntag mehrere Dörfer im Nordirak bombardiert und dabei nach PKK-Angaben sieben Menschen getötet.

Der türkische Generalstabschef Yasar Büyükanit wurde von der Nachrichtenagentur Anadolu mit den Worten zitiert, die USA hätten die Türkei bei ihren Luftangriffen unter anderem mit Geheimdienstinformationen unterstützt. Demnach sagte dieser dem privaten TV-Sender Kanal D, dass die türkischen Kampfflugzeuge die Erlaubnis gehabt hätten, in den irakischen Luftraum einzudringen. "Die USA haben in der vergangenen Nacht den irakischen Luftraum für uns geöffnet", sagte er: "Indem sie das taten, haben die USA die Operation gutgehießen." Angesichts der winterlichen Bedingungen im gebirgigen Nordirak würden die Rebellen dort keine Zuflucht finden. Büyükanit betonte, es seien keine zivilen Ziele oder Dörfer getroffen worden.

Das US-Verteidigungsministerium wollte zu Büyükanits Äußerungen keine Stellung beziehen. Ein Pentagon-Sprecher betonte aber, die USA arbeiteten mit der Türkei im Kampf gegen die PKK zusammen. Dazu würden vor allem Geheimdienstinformationen zur Verfügung gestellt.

Das schwer zugängliche Kandil-Gebirge an der Grenze zur Türkei ist ein Rückzugsgebiet der PKK-Rebellen, die dort schätzungsweise 3500 Kämpfer unter Waffen haben. Vom Norden des Irak aus attackierten PKK-Kämpfer am 21. Oktober Einheiten der türkischen Armee, dabei wurden zwölf türkische Soldaten getötet. Das Parlament ermächtigte die Regierung in Ankara, Truppen in den Nordirak zu entsenden, um dort Stellungen der PKK anzugreifen. Seither hat die Armee rund 100.000 Soldaten und militärische Ausrüstung an der Grenze zum Irak zusammengezogen.

Im Konflikt zwischen der PKK und der türkischen Armee wurden seit 1984 mehr als 37.000 Menschen getötet. Die Türkei, die EU und die USA betrachten die PKK als terroristische Organisation.

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