Dharamsala (AFP) — Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat China aufgefordert, "größtmögliche Transparenz hinsichtlich der Ereignisse in Tibet herzustellen". Bei einem Telefonat mit seinem chinesischen Kollegen Yang Jiechi habe der Minister zudem die Hoffnung ausgedrückt, "dass es gelingt, der Gewalt dauerhaft ein Ende zu bereiten und die Situation zu beruhigen", sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes. Steinmeier habe Jiechi auch aufgefordert, "Lösungswege im Dialog zu suchen". Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy schloss einen Boykott bei den Olympischen Spiele nicht aus.
Yang habe Steinmeier gegenüber auf die Entscheidung der chinesischen Behörden verwiesen, ein Dutzend ausgewählte Journalisten an einer organisierten Reise in die Unruheregion teilnehmen zu lassen, sagte der AA-Sprecher. Nach Angaben eines chinesischen Außenamtssprechers sollen sich die ausländischen Reporter vor Ort über die jüngsten Ereignisse informieren und "Opfer krimineller Gewaltakte" interviewen können. China verwehrt ausländischen Journalisten seit dem Beginn der Unruhen den Zugang zu der autonomen Provinz.
"Alle Optionen sind offen", sagte Sarkozy mit Blick auf einen möglichen Boykott der Olympischen Spiele in Peking im südwestfranzösischen Tarbes. Zuvor hatte Frankreichs Außenminister Bernard Kouchner das Vorgehen Chinas gegen die Demonstranten in Tibet scharf verurteilt. "Diese Repression ist unerträglich", sagte er.
Nach den Protesten bei der Olympia-Zeremonie am Vortag verurteilte Peking jegliche Aktionen gegen den Fackellauf als "schändlich". Jeder Versuch, den Fackellauf vom griechischen Olympia bis Peking zu unterbrechen, sei "schändlich" und "nicht populär", warnte ein Außenamtssprecher. Er forderte die betroffenen Länder auf, für einen geregelten Ablauf des traditionellen Laufs zu sorgen.
Amtlichen chinesischen Angaben zufolge sind bei den Unruhen 19 Menschen ums Leben gekommen. Die tibetische Exilregierung sprach dagegen von etwa 140 Toten. Sie beruft sich auf eigene Quellen in Tibet.
Der Dalai Lama drohte für den Fall neuer blutiger Unruhen erneut mit seinem Rücktritt. "Wenn die gewaltsamen Demonstrationen anhalten, werde ich zurücktreten", sagte das geistliche Oberhaupt der Tibeter in der indischen Hauptstadt Neu Delhi. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wird den Dalai Lama bei dessen nächstem Deutschland-Besuch im Mai aus Termingründen nicht treffen.
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