Colombo (AFP) — Mehr als eine Milliarde Tassen Tee werden täglich getrunken. Nur Wasser ist beliebter. Doch das jahrtausendealte Aufgussgetränk hat ein Imageproblem. Junge Leute geben viel Geld für Espresso, Cappuccino, und schaumigen Latte Macchiato aus. Tee hingegen gilt vielen als Getränk für ältere Herrschaften. Das bekommen auch die großen Teeproduzenten in Sri Lanka, Indien oder Kenia zu spüren: Die Preise für Tee fallen. Deshalb tüftelt die Branche an einem modernen Image. Über Eistee, Internet-Aktionen oder Tee-Kreationen im Coffee Shop soll das Getränk hip gemacht werden.
Im weltweiten Markt der Heißgetränke, auf dem rund 50 Milliarden Euro im Jahr umgesetzt werden, hat der Tee derzeit das Nachsehen. Auch die Deutschen greifen eher zögerlich zum Tässchen Tee. Etwa 25 Liter schwarzen und grünen Tee trinkt ein Bundesbürger laut Deutschem Teeverband jährlich. Der deutsche Inlandsmarkt bleibe allerdings ein "schwieriges Geschäft". In vielen westlichen Industrieländern zeigt sich eine ähnliche Entwicklung.
Die Teeproduzenten bekommen daher immer weniger Geld für ihre Ware. In Sri Lanka und Kenia liegen die Kosten der Teeproduktion teils über dem Marktpreis. Die Energiekosten steigen rasant und auch die Löhne der Pflücker sind gestiegen. "Tee zu produzieren ist teuer", sagte Peter Mbadi, stellvertretender Leiter des Kenianischen Teebehörde, beim Branchentreff "International Tea Convention" in Colombo in Sri Lanka vor wenigen Wochen. Vergangenes Jahr hatte die Branche ein Absinken des Teepreises um 22 Prozent verkraften müssen.
Nun will die Teebranche die Jugend wieder auf den Geschmack bringen. In den USA klappt das vor allem mit Eistee. 85 Prozent des jährlich verkauften Tees wird dort als in dieser kalten Form verkauft. So beliebt ist Eistee in Deutschland nicht. Doch der Teeverband stellt fest, dass immer mehr Szene-Cafés eine üppige Teekarte anbieten. Im modernen Coffee Shop gibt es Tee "to go". Im Internet wird ebenfalls auf die Jugend gezielt: Die Seite www.tea-up-your-day.de soll zum Teestündchen animieren - ganz modern versteht sich.
Der Präsident des US-Teeverbandes, Joe Simrany, hat weitere Ideen: Er will die gesundheitlichen Vorteile stärker in den Vordergrund zu stellen, Kekse und Kuchen mit Teegeschmack auf den Markt zu bringen und Merchandising-Produkte anzubieten. "Die Produzenten müssen Tee wieder moderner machen", sagt er.
Raus aus der altmodischen Teestube will auch der Gründer von Deutschlands erster Tee-Lounge, Florian Hoffmann. Bei dem Frankfurter wird Tee in moderner Bar-Atmosphäre serviert. Zu Unrecht hafte dem Getränk ein verstaubtes Image an, sagt er. "Viele denken an schwere Ledersessel, verrauchte Pubs, an japanische Teezeremonien im Kimono oder ähnliches Brimborium", sagt er.
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