Israel und Hamas vereinbaren Waffenruhe für Gazastreifen

Jerusalem (AFP) — Israel und die radikalislamische Hamas haben nach monatelanger Gewalt eine Waffenruhe für den Gazastreifen vereinbart. Das unter ägyptischer Vermittlung zustande gekommene Abkommen soll am frühen Donnerstagmorgen in Kraft treten. Es sieht vor, dass beide Seiten ihre Angriffe einstellen und Israel die Blockade des Palästinensergebiets schrittweise abbaut. Der israelische Regierungschef Ehud Olmert warnte, das Abkommen werde möglicherweise nur von kurzer Dauer sein. Sollte es scheitern, werde es eine Reaktion der israelischen Armee geben.

"Israel hat die ägyptischen Vorschläge akzeptiert", sagte Olmert-Sprecher Mark Regev. Die israelische Regierung hoffe nun ernsthaft, dass die Bevölkerung im Süden Israels nicht mehr Opfer von Raketen- und Granatenbeschuss aus dem Gazastreifen werde. Regev sprach sich im Namen der Regierung zugleich für die Aufnahme direkter Gespräche zwischen Israel und dem Libanon aus.

Die Hamas hatte bereits am Dienstag ihre Zustimmung mitgeteilt und erklärt, die Waffenruhe solle sechs Monate dauern. Nach der Machtübernahme der Hamas im Gazastreifen vor einem Jahr hatte Israel das Gebiet fast vollständig von der Außenwelt abgeschnitten, wodurch die Versorgung der rund 1,5 Millionen Einwohner mit Treibstoff und Lebensmitteln mehrfach zusammenbrach.

Israelischen Medienberichten zufolge sollen am Sonntag unter ägyptischer Vermittlung Verhandlungen über die Freilassung des israelischen Soldaten Gilad Schalit beginnen, den bewaffnete Palästinenser im Juni 2006 am Rande des Gazastreifens verschleppt hatten. Vertreter Ägyptens, der EU, der Hamas sowie der palästinensischen Autonomiebehörde wollen am 26. Juni zudem Gespräche über eine Wiedereröffnung des Grenzübergangs Rafah zwischen Ägypten und dem Gazastreifen aufnehmen.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas rief alle Gruppen im Gazastreifen auf, den Waffenstillstand zu befolgen. Die radikalislamische Organisation Islamischer Dschihad erklärte, der Abmachung "nicht im Wege zu stehen".

Die US-Regierung reagierte zurückhaltend auf die Vereinbarung. Nach den Worten des Sicherheitssprechers des Weißen Hauses, Gordon Johndroe, hofft Washington jetzt, dass die Hamas dem "Terrorismus" entsagen und "keine Raketen mehr auf unschuldige Israelis abfeuern" werde. Das könne hoffentlich auch zu einer "besseren Atmosphäre für Gespräche zwischen Israel und der palästinensischen Autonomiebehörde führen".