Armee geht an Schauplätzen der Kämpfe im Libanon in Stellung

Beirut (AFP) — Zur Beruhigung der Lage im Libanon hat die Armee ihre Präsenz an den Schauplätzen der tagelangen Kämpfe zwischen Anhängern der pro-westlichen Regierung und der Hisbollah-Miliz verstärkt. Soldaten wurden vor allem in der Bergregion Aajtat stationiert. In Tripolis mussten sich die Armeeeinheiten dagegen angesichts neuer Kämpfe zurückziehen. In der Hafenstadt wurden ein Mensch getötet, als Regierungs- und Oppositionsanhänger mit schweren Waffen aufeinander schossen. Bundeskanzlerin Angela Merkel rief die Konfliktparteien zu einer sofortigen Wiederaufnahme des Dialogs im Rahmen der Arabischen Liga auf.

Regierungstruppen wurden besonders in der südöstlich von Beirut gelegenen Bergregion Aajtat stationiert. In der mehrheitlich von Drusen bewohnten Gegend hatten sich am Sonntag Anhänger von Regierung und Opposition Kämpfe geliefert. Drusen-Führer Walid Dschumblatt ist ein wichtiger Politiker der anti-syrischen Parlamentsmehrheit im Libanon. Bei den schlimmsten Kämpfen seit Ende des Bürgerkriegs vor 18 Jahren starben seit Mittwoch mindestens 61 Menschen, 198 weitere wurden verletzt.

Nach tagelangen Auseinandersetzungen kehrte im Libanon am Wochenende gespannte Ruhe ein. Nachdem Milizen der Hisbollah sich aus den Vierteln im Westen der Hauptstadt Beirut zurückgezogen hatten, kam es am Sonntagabend jedoch zu erneuten Kämpfe in Tripolis. Ein AFP-Fotograf berichtete, dass vor allem im sunnitischen Viertel Tebbaneh zahlreiche Bewaffnete auf den Straßen zu sehen seien. Armeeeinheiten versuchten, bedroht von Heckenschützen die Kontrolle in Tripolis wieder zu erlangen. Anhänger der schiitischen Hisbollah blockierten am Montag noch immer die Zufahrtstraße zum internationalen Flughafen in Beirut, wo am sechsten Tag in Folge der Flugverkehr eingestellt war.

Nach einer Dringlichkeitssitzung in Kairo kündigte die Arabische Liga am Sonntag an, zur Vermittlung eine ranghohe Delegation nach Beirut entsenden zu wollen. Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Amr Mussa, und eine Delegation wurden am Mittwoch in Beirut zu Gesprächen mit Verantwortlichen erwartet, um ein Ende der lang anhaltenden politischen Blockade zu erreichen. Zuvor hatte Mussa mitgeteilt die Delegation solle von Katar geleitet werden.

Im Libanon stehen sich die pro-westliche Regierung und die von Syrien und dem Iran unterstützte Hisbollah gegenüber. Die von der Hisbollah angeführte Opposition lähmt die Regierung mit einer Protesten bereits seit Ende 2006.