Langwierige Ermittlungen im Pariser Bankenskandal erwartet
Paris (AFP) — Wegen des Milliardenbetrugs bei der französischen Großbank Société Générale stellt sich die Pariser Staatsanwaltschaft auf langwierige Ermittlungen ein. "Zur Zeit kann man nicht sagen, was hinter dieser Affäre steckt", erklärten die Pariser Ermittler. Trotz Zweifeln von Experten und Kommentatoren in Finanzblättern blieb die Société Générale bei ihrer These von einem Einzeltäter. Die Bank hatte am Donnerstag mitgeteilt, dass ihr Händler Jérôme Kerviel mit nicht genehmigten Spekulationsgeschäften einen Verlust von 4,9 Milliarden Euro verursacht habe.
Es handele sich um eine "sehr umfassende" Angelegenheit, die nur "nach und nach" durch Aussagen, Gutachten und Gegenüberstellungen zu verstehen sein werde, erklärten die Ermittler. Bankchef Daniel Bouton erklärte in einem Brief an die Aktionäre, ein "isoliert agierender Mitarbeiter" habe den Betrug begangen. Demnach flog der 31 Jahre alte Händler Jérôme Kerviel am Samstag mit waghalsigen Finanzgeschäften auf, die er offenbar mindestens seit dem vergangenen Jahr verschleiert hatte.
Kerviel halte sich in Paris auf und sei anders als vermutet "nicht auf der Flucht", sagte seine Anwältin Elisabeth Meyer im Fernsehsender BFM. "Er steht der Justiz zur Verfügung." Der Händler hatte seit 2000 für die Société Générale gearbeitet und war dabei zunächst für die Kontrollmechanismen zuständig, die er später umging.
Der französische Staatschef Nicolas Sarkozy sieht durch die Affäre das französische Bankensystem nicht erschüttert. Es handle sich um einen "internen Betrug", der weder die "Festigkeit noch die Glaubwürdigkeit des französischen Finanzssystems" betreffe, sagte er während seines Besuches in Indien. Sarkozys Berater Raymond Soubie nannte es jedoch "sehr erstaunlich, dass ein einzelner Mensch" Geschäfte von "mehr als 50 Milliarden Euro" habe tätigen können, ohne dass dies aufgefallen sei.
US-Zeitungen stellten die Frage, ob die am Montag erfolgten Verkäufe der Positionen des Händlers mit eine Ursache für die Finanzturbulenzen und die überraschende Zinssenkung der Notenbank Fed waren. "Wurde die Fed hinters Licht geführt?", schrieb das Finanzblatt "Wall Street Journal" in einem Kommentar. Die Fed hatte ihre Zinssatz für Kurzkredite am Dienstag nach den Kursstürzen an den Börsen um einen Dreiviertel Prozentpunkt auf 3,5 Prozent gesenkt.

