Düsseldorf (AFP) — Berlins Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) hat den Verbrauchern geraten, wegen der steigenden Energiepreise künftig die Heizung herunterzudrehen und in ihrer Wohnung "dicke Pullover" zu tragen. "Wenn die Energiekosten so hoch sind wie die Mieten, werden sich die Menschen überlegen, ob sie mit einem dicken Pullover nicht auch bei 15 oder 16 Grad Zimmertemperatur vernünftig leben können", sagte Sarrazin. Die Linkspartei reagierte empört. "Gegen Sarrazins soziale Kälte helfen auch Pullover nicht", kritisierte der Parlamentsgeschäftsführer der Linken im Bundestag, Ulrich Maurer.
Die einzig wirksame Maßnahme gegen den drastischen Preisanstieg bei Öl und Gas sei das Energiesparen, sagte Sarrazin der "Rheinischen Post". Es sei ein "erwünschter Effekt", dass die hohen Preise die Nachfrage drückten. Einen Sozialtarif für Bedürftige - wie von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD), Gewerkschaften und Sozialverbänden gefordert - lehnte der Berliner Finanzsenator ab. "Empfängern von Arbeitslosengeld II werden die Heizkosten erstattet. Darüber hinaus sehe ich keinen Handlungsbedarf", unterstrich Sarrazin.
Die Linke, die in Berlin gemeinsam mit der SPD regiert, warf dem schon früher durch streitbare Äußerungen aufgefallenen Finanzsenator "Arroganz und Zynismus" vor. Diese Haltungen seien aber "keine Antwort auf die Forderung nach sozial verträglichen Preisen für Energie", erklärten die stellvertretende Parteichefin Halina Wawzyniak und der amtierende Berliner Landeschef der Linken, Wolfgang Albers. "Der Mann hat offenbar den Wetterumschwung nicht verkraftet", fügten sie hinzu.
Auch der Präsident des Deutschen Mieterbundes (DMB), Franz-Georg Rips, sowie der Bundesvorsitzende der Arbeiterwohlfahrt (AWO), Wilhelm Schmidt, warnten in einer gemeinsamen Erklärung: "Insbesondere einkommensschwache Haushalte trifft die Preisexplosion bei Öl, Gas und Strom mit voller Wucht. Sie müssen dringend unterstützt werden." Rips plädierte für eine Erhöhung der Hartz-IV-Regelsätze um 50 Euro. Gemeinsam mit Schmidt forderte er die Bundesregierung auf, zu prüfen, ob für einkommenschwächere Haushalte ein Heizkostenzuschuss gezahlt werden kann, wie etwa im Jahr 2001.
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