Rio de Janeiro (AFP) — Zum Auftakt des weltberühmten Karnevals in Rio de Janeiro haben Polizisten gegen ihre schlechten Arbeitsbedingungen protestiert. Am Strand Copacabana stellten Militärpolizisten 586 Kreuze auf, von denen jedes für einen der seit 2004 im Dienst umgekommenen Militärpolizisten der Millionenmetropole stand. "586 Tote für weniger als 30 Real pro Tag" stand auf einem Transparent in Anspielung auf das niedrige Gehalt der Spezialeinheiten von umgerechnet rund zehn Euro pro Tag.
"Das ist ein symbolischer Akt, um die schlechten Arbeitsbedingungen und die niedrigen Gehälter der Polizisten anzuprangern", sagte der Chef der örtlichen Militärpolizei, Dilson Ferreira de Anaide. Zugleich sagte er, die Sicherheit des am Freitag offiziell beginnenden Karnevals sei "vollständig gesichert".
Rios Militärpolizei wollte mit dem Protest auch gegen ihr schlechtes Image ankämpfen. Ihr wird immer wieder Bestechlichkeit vorgeworfen. Neben den schwarzen Kreuzen standen für Passanten Körbe mit Rosen bereit, um sie zum Gedenken an die getöteten Beamten niederzulegen.
Am Donnerstag hatten 47 ranghohe Militärpolizisten ihr Amt niedergelegt, um gegen die Entlassung des Polizeichefs der Stadt, Ubiratan Angelo, zu protestieren. Angelo war am Dienstag abgesetzt worden, weil er eine Demonstration seiner Beamten für bessere Gehälter erlaubt hatte.
Zum Karneval in Rio de Janeiro werden mehr als 700.000 Touristen erwartet, unter ihnen 210.000 aus dem Ausland. Höhepunkt ist der Umzug der Sambaschulen, der am Sonntag und Montag im Sambodrom im Herzen der Millionenstadt seinen Abschluss findet. In ihren farbenfrohen und knappen Kostümen konkurrieren die Tänzerinnen und Trommler um die Auszeichnungen der strengen Jury für die besten Darbietungen und Choreographien. Die Polizei hat während der tollen Tage besonders viel zu tun. Allein im Sambodrom und an den touristischen Anziehungspunkten sollen 9700 Militärpolizisten eingesetzt werden.
Die Regierung lässt während der Karnevalstage landesweit die Rekordmenge von 19,5 Millionen Kondomen gegen ungewollte Schwangerschaften verteilen. Der Verkauf von Alkohol auf offener Straße wurde verboten. Präsident Luiz Inácio Lula da Silva hatte seine Landsleute aufgefordert, "verantwortungsvoll" zu feiern und nichts zu tun, "was sie nicht auch sonst tun, wenn sie Spaß haben".
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