Iran: 3000 Zentrifugen zur Urananreicherung in Betrieb

Teheran (AFP) — Der Iran hat nach eigenen Angaben im Zuge seines umstrittenen Atomprogramms nun mehr als 3000 Zentrifugen zur Urananreicherung in Betrieb. Zudem werde jede Woche eine neue Serie von 164 Zentrifugen installiert, sagte Präsident Mahmud Ahmadinedschad im staatlichen Fernsehen. Diese Zahlen stehen im Widerspruch zu den Informationen der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA). Diese schrieb in ihrem jüngsten Bericht vom 19. August, 1968 Zentrifugen seien im Iran in Betrieb, und 656 weitere befänden sich in verschiedenen Versuchs- und Installationsstadien.

Im Streit um das Atomprogramm hat die iranische Regierung unterdessen vor der Verabschiedung einer neuen Iran-Resolution durch den UN-Sicherheitsrat gewarnt. In einem solchen Fall werde sie die Zusammenarbeit mit der IAEA überdenken, sagte der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Mohammed Ali Hosseini. Zugleich sagte Hosseini, der Iran erwäge, ein Zusatzprotokoll zum Atomwaffensperrvertrag nicht mehr anzuwenden.

Das vom Iran bislang freiwillig befolgte Protokoll erlaubte der IAEA bislang eine effizientere Kontrolle der iranischen Atomanlagen. Diese Entscheidung gehe auf einen Beschluss des iranischen Parlaments zurück, sagte Hosseini.

IAEA-Chef Mohamed ElBaradei hatte die neuen Vereinbarungen seiner Behörde mit dem Iran als die "vielleicht letzte Chance für Teheran" bezeichnet. Der Iran dürfe diese Chance nicht verstreichen lassen, zitierte das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" den IAEA-Chef. Zum ersten Mal habe sich die UN-Behörde mit der iranischen Führung auf eine "Roadmap" einigen können und auf einen klar umgrenzten Zeitplan zur Klärung ausstehender Fragen, sagte ElBaradei. "Bis November, spätestens Dezember müssten wir sehen können, ob Teheran seine gegebenen Versprechen einhält." ElBaradei plädierte dafür, in dieser "Probezeit" für Iran die UN-Sanktionen nicht zu verschärfen.

In einem vertraulichen Bericht hatte die IAEA erst kürzlich die Zusage des Iran gelobt, Fragen zu seinem umstrittenen Atomprogramm zu beantworten. Teherans Zusage sei "ein bedeutender Schritt vorwärts", hieß es in dem Bericht, der der Nachrichtenagentur AFP vorlag. Wenn die offenen Fragen zum früheren iranischen Atomprogramm geklärt wären, müsse das Land sich allerdings weiter bemühen, "Vertrauen bezüglich des Zwecks und der Art seines derzeitigen und kommenden Atomprogramms aufzubauen".