Berlin (AFP) — Der Gesetzentwurf der Bundesregierung zur Vorratsdatenspeicherung stößt bei Datenschützern und Telekommunikationsexperten auf Bedenken. "Ich habe erhebliche Zweifel an der Verfassungsmäßigkeit", erklärte der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar anlässlich einer Expertenanhörung des Bundestagsrechtsausschusses in Berlin. Die für eine freiheitliche Gesellschaft unabdingbare unbefangene Kommunikation werde damit erheblich beeinträchtigt. Der Regierungsentwurf gehe zudem über die EU-Richtlinie hinaus, insbesondere im Hinblick auf die Zwecke, zu denen die Daten verwendet werden sollen. Eine Großdemonstration gegen die zunehmende elektronische Überwachung ist für Samstag in Berlin geplant.
Der Geschäftsführer des Verbandes der Anbieter vom Telekommunikations- und Mehrwertdiensten, Jürgen Grützner, warnte bei der Anhörung vor einem "Paradigmenwechsel im Datenschutz". Die Nutzer von Telekommunikationsdiensten würden unter "Generalverdacht" gestellt. Christoph Fiedler, der unter anderem für ARD, ZDF und den Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger Stellung nahm, äußerte die Auffassung, die Umsetzung der Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung würde in der vorliegenden Fassung die Pressefreiheit "in einem ihrer sensibelsten Punkte mit ungeahnter Intensität beschädigen". Zum ersten Mal erhielten staatliche Stellen Zugriff auf alle elektronischen Kontakte von und mit allen Journalisten. Die Abschreckungswirkung für potenzielle Informanten sei offensichtlich.
Nach dem Entwurf sollen Telekommunikationsdienste ab 2008 verpflichtet werden, die Daten ihrer Kunden sechs Monate lang zu speichern. Gespeichert wird, wer mit wem per Telefon, Handy oder E-Mail in Verbindung gestanden hat. So werden beispielsweise die Rufnummer sowie Beginn und Ende der Verbindung, geordnet nach Datum und Uhrzeit, bei Handy-Telefonaten und SMS auch der Standort des Benutzers festgehalten.
Unter dem Motto "Meine Daten gehören mir" wollen am Samstag Vertreter der Grünen, der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und Bürgerrechtsgruppen gegen Maßnahmen wie die Vorratsspeicherung und die Online-Durchsuchungen in Berlin auf die Straße gehen. Es solle "ein sichtbares Zeichen gegen die Überwachungsphantasien der Bundesregierung" gesetzt werden.
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