Bonn (AFP) — Zum Auftakt der UN-Konferenz zum Schutz der Artenvielfalt hat sich Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) in Bonn vorsichtig optimistisch über einen Erfolg des Treffens gezeigt. Gabriel äußerte sich "zuversichtlich", dass es substanzielle Fortschritte bei der zweiwöchigen Konferenz geben werde. Zugleich mahnte der Minister, die UN-Konvention zum Schutz der Artenvielfalt stehe "in Bonn am Scheideweg". Entweder die Teilnehmerstaaten könnten sich auf einen konkreten Fahrplan verständigen, oder die Weltgemeinschaft werde zu Recht die Frage stellen, was es bewirke, "wenn 190 Staaten einen Vertrag unterschreiben".
Bei der Konferenz mit rund 7000 Teilnehmern aus 190 Staaten geht es um die konkrete Umsetzung der 1994 in Kraft getretenen Konvention über die biologische Vielfalt. Ziel des Treffens ist es, das weltweit rasant voranschreitende Artensterben zu stoppen oder zumindest zu bremsen, das mehr als hundert Mal so schnell wie in vorindustrieller Zeit voranschreitet.
Die beteiligten Staaten haben sich verpflichtet, bis 2010 die Rate des Verlusts an biologischer Vielfalt "bedeutend" zu verringern. Gabriel sagte dazu in seiner Eröffnungsrede vor den Delegierten: "Die Wahrheit im Jahr 2008 ist: Wir sind immer noch auf dem falschen Weg". Außerdem soll der Konvention zufolge für die gerechte Aufteilung der Vorteile aus der Nutzung genetischer Ressourcen gesorgt werden. Dabei wird sowohl der Eigenwert der Artenvielfalt anerkannt als auch auf ihren Wert für wirtschaftliche, wissenschaftliche und soziale Zwecke hingewiesen.
Gabriel rief die Delegierten zu einer konstruktiven Zusammenarbeit auf. Es gehe "vor allem um das Leben der Ärmsten". "Wenn, wie befürchtet, der Kollaps der weltweiten Fischerei eintritt, dann wäre eine Milliarde Menschen ihrer einzigen Proteinquelle beraubt."
Die deutschen Umwelt- und Entwicklungsorganisationen stellten zum Konferenzbeginn eine Liste mit "Erfolgskriterien" für den Gipfel aus ihrer Sicht vor. Als zentrale Themen nennen die Nichtregierungsorganisationen (NGOs) darin unter anderem jährlich 30 Milliarden Euro für den Urwaldschutz, zudem die Schaffung von Meeresschutzgebieten und die Verabschiedung eines Fahrplans für ein gerechtes Protokoll, das den Vorteilsausgleich zwischen ärmeren und reicheren Staaten regelt.
Copyright © 2009 AFP. Alle Rechte vorbehalten. Mehr »
