Drei Deutsche beim Canyoning in Frankreich tödlich verunglückt

La Palud-sur-Verdon (AFP) — Tragisches Ende einer Schluchtentour in Südfrankreich: Beim Canyoning an einem Nebenarm des Flusses Verdon ist eine deutsche Reisegruppe am Mittwochnachmittag von einem Unwetter überrascht worden. Zwei junge Frauen im Alter von 20 und 25 Jahren sowie ihr 40 Jahre alter Führer starben, wie die Polizei in La Palud-sur-Verdon am Donnerstag mitteilte. Die Opfer gehörten zu einer zwölfköpfigen Reisegruppe, die laut den Behörden mit der Schwerter Agentur Never Come Back Journeys unterwegs war.

Die Gruppe - zehn Urlauber und zwei Führer - habe am Nachmittag mit ihrer Tour in der Schlucht von Baou im Département Alpes-de-Haute-Provence begonnen, hieß es. Der Nebenlauf des Verdon sei für Anfänger im Canyoning, bei dem eine Schlucht durch Schwimmen, Abseilen, Klettern, Rutschen oder Tauchen bezwungen wird, normalerweise gut geeignet. Doch der Fluss habe sich nach dem Unwetter "binnen Sekunden" in einen reißenden Strom verwandelt. Eine bis zu drei Meter hohe Welle mit Ästen und allen möglichen Gegenständen sei durch den Canyon geschossen. Sie habe die Urlauber erfasst und mitgerissen.

Erst am Abend gelang es einem der Urlauber, sich aus dem reißenden Wasser ans Ufer zu retten und einen Hilferuf abzusetzen. Für die beiden jungen Frauen und ihren Führer kam aber jede Hilfe zu spät. Ein eingeschlossenes Paar in den Fünfzigern konnte nur durch einen Hubschrauber gerettet werden. Eines der Todesopfer stammt aus Siegburg, bei den anderen war die Herkunft zunächst unklar. Die Mitglieder der Gruppe kamen laut den Behörden aus mehreren Orten Deutschlands, darunter aus Berlin, Dortmund und Augsburg. Auch ein Schweizer war unter ihnen. Eine weitere Frau wurde wegen Unterkühlung ins Krankenhaus gebracht.

Die Urlauber waren eigens für das Canyoning nach Südfrankreich gekommen, wo sie auf einem Campingplatz im Verwaltungsgebiet Var zelteten. Die Polizei nahm Ermittlungen zu den genauen Unglücksumständen auf, am Donnerstag befragte sie die Überlebenden.

"Ja, es handelte sich um eine Gruppe von uns", sagte der Inhaber von Never Come Back Journeys, Michael Sinzel, laut der Website der in Dortmund erscheinenden "Ruhr-Nachrichten". Er befand sich demnach auf dem Weg zum Unfallort. Er sei "zu geschockt, um das weiter zu kommentieren", habe Sinzel gesagt. Never Come Back Journeys bietet nach eigenen Angaben "Activreisen" in den Bereichen Segeln, Klettern, Tauchen, Paddeln, Snowboarden und Skifahren an. Die Firmenwebsite, auf der auch mit dem Slogan "Kleine Abenteuer mit Rückfahrkarte" geworben wurde, wurde am Donnerstag vom Netz genommen.

Die Behörden der Region hatten wegen Hochwassers schon vor Tagen Wassersport in der Verdon-Schlucht verboten, die Schlucht des Nebenarms Baou war davon jedoch nicht betroffen. Dennoch kritisierte der Unterpräfekt von Castellane, Serge Bideau, das Verhalten der Gruppe. Diese Art von Klettertouren mit Schwimmen und Tauchen durch Flussbette sei "kein harmloser Sport", sagte Bideau. Es gebe gewisse Regeln, und die Urlauber hätten sich wohl nicht ausreichend informiert, bevor sie aufgebrochen seien. Ein örtlicher Führer sagte, das Flussbett des Baou sei seit Tagen überschwemmt. "Selbst bei schönem Wetter wären wir nicht losgegangen."