Nordhausen (AFP) — Die Besetzer des insolventen Fahrradwerkes im thüringischen Nordhausen wollen bald mit der Produktion des so genannten Strike-Bikes beginnen. "Wir haben die nötigen 1800 Bestellungen zusammen", sagte der Sprecher des Solidaritätskreises Strike-Bike, Folkert Mohrhof, in Nordhausen. Weitere Aufträge würden nicht entgegengenommen. "Wer noch nicht bestellt hat, der hat die Chance leider verpasst, die Arbeiter zu unterstützen", fügte Mohrhof hinzu. Die Produktion werde in drei Wochen am 22. Oktober beginnen. Für die Herstellung der knallroten Damen- und Herrenräder mit Dreigangschaltung seien drei Tage vorgesehen.
Die Beschäftigten haben seit Juli das pleite gegangene Fahrradwerk der Firma Bike-Systems besetzt, um die Demontage der Anlagen zu verhindern und die Produktion zu übernehmen. Die US-Beteiligungsgesellschaft Lone Star hatte das Mutterunternehmen von Bike-Systems im Dezember 2005 übernommen. Die neuen Besitzer kündigten unter anderem ein Ende für die Produktion in Nordhausen an. Auf einer Betriebsversammlung am 10. Juli beschlossen die Mitarbeiter spontan, das Werk zu besetzen. Davor wurden in Nordhausen täglich 2000 Fahrräder vor allem für Handelsketten hergestellt.
Damit die Herstellung des Strike Bikes überhaupt beginnen kann, müssen die Kunden den Preis von 275 Euro pro Fahrrad im Voraus bezahlen. Der Insolvenzverwalter gehe weiterhin davon aus, dass das Unternehmen nicht zu retten sei, sagte Mohrhof. Die Belegschaft gehe allerdings davon aus, dass das Werk in Nordhausen erhalten werden könne, da sich sich bereits Investoren gemeldet hätten.
Bei der Strike-Bike-Kampagne, die deutschlandweit für Aufsehen sorgte, habe es sich um eine symbolische Aktion gehandelt, "damit überhaupt über die Zustände hier gesprochen wird", erklärte Mohrhof. Auf Dauer sei die Produktion der roten Fahrräder nicht geplant.
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