Reich-Ranicki lehnt Deutschen Fernsehpreis ab

Berlin/Köln (AFP) — Eklat bei der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises in Köln: Literatur-Kritiker Marcel Reich-Ranicki wies die Ehrenauszeichnung für seine Sendung "Das Literarische Quartett" am Samstagabend zunächst zurück und kritisierte die Qualität des Fernsehens scharf. "Bei dem vielen Blödsinn, den ich heute Abend gesehen habe, glaube ich nicht, dass ich dazu gehöre", sagte Reich-Ranicki laut "Bild am Sonntag". Er nehme diesen Preis nicht an. Später nahm der Literatur-Kritiker die Trophäe aber doch mit nach Hause.

Moderator Thomas Gottschalk konnte den 88-Jährigen beschwichtigen und ihn zur Mitnahme des Preises überreden: "Sie dürfen alles, wenn Sie ihn nehmen", sagte Gottschalk. Er bot Reich-Ranicki eine gemeinsame Sendung über die Qualität des deutschen Fernsehens an. Der Kritiker habe zugestimmt, sagte Gottschalk der "Süddeutschen Zeitung". Das Gespräch solle so schnell wie möglich aufgezeichnet und noch in dieser Woche gesendet werden. Reich-Ranicki sagte der "BamS", er habe den Preis "symbolisch angenommen", weil er "ein höflicher Mensch" sei.

Gottschalk äußerte in der "SZ" Verständnis für Reich-Ranicki: "Wenn er eine halbe Stunde lang eine wild gewordene Horde Teenager sieht, Atze Schröder in einer weißen Paradeuniform, Richterin Salesch und zwei Köche mit idiotischen Texten erleben muss, ist es für ihn in der Tat konsequent zu entscheiden: Ich habe hier nichts verloren."

Den Deutschen Fernsehpreis vergeben die Sender ARD, ZDF, RTL und SAT1 seit 1999. Das Literarische Quartett lief von März 1988 bis Dezember 2001 im ZDF.