Telekom gibt neue Sicherheitslücke zu

Bonn (AFP) — Die Datenschutzpannen bei der Deutschen Telekom reißen nicht ab: Das Unternehmen räumte ein, dass Daten von mehr als 30 Millionen Handy-Kunden inklusive ihre Bankdaten mit Hilfe weniger Benutzerangaben und eines Passwortes abgerufen und manipuliert werden konnten. Diese Sicherheitslücke sei aber binnen 24 Stunden geschlossen worden, sagte ein Unternehmenssprecher. Seit Donnerstagnacht sei ein illegaler Zugriff auf die Vertriebsdatenbank der Mobilfunktochter T-Mobile nicht mehr möglich. Mit einem neuen Verfahren sollen Zugriffe Unbefugter auf die Daten künftig ausgeschlossen sein.

Zugang zu der Datenbank von T-Mobile haben zahlreiche Mitarbeiter in den T-Punkt-Läden. Die Zugangsdaten kursierten laut einem Bericht des "Spiegel" auch in Hacker-Kreisen. "Spiegel"-Redakteure hätten sich in das Kundensystem einloggen und Daten wie etwa Adressen oder Bankverbindungen einsehen und auch ändern können. Selbst Sperrungen von Sim-Karten, Änderungen von Tarifen oder das Anlegen neuer Einzugsermächtigungen wären möglich gewesen.

Der Telekom-Sprecher sagte, bislang gebe es keine Hinweise, dass es tatsächlich einen Zugriff auf die Kundendatenbank gegeben habe. Die Telekom werde nachforschen, ob und in welcher Form ein Datenmissbrauch stattgefunden habe.

Die Telekom hatte erst am Freitag ein Maßnahmenpaket zur Verbesserung ihres Datenschutzes vorgestellt. Ab kommender Woche will das Unternehmen im Internet über "datenschutzrelevante Vorgänge" informieren, die Gegenstand strafrechtlicher Ermittlungen sind. Zudem soll es einen jährlichen Datenschutzbericht geben und ein externer Datenschutzrat mit führenden Experten geschaffen werden, der dem Unternehmen beratend zur Seite stehen soll. Die Telekom will zudem einen Vorstandsposten für Datenschutz schaffen, der ein Veto-Recht bei allen Geschäftsentscheidungen haben soll, die den Datenschutz betreffen.

Erst am vergangenen Wochenende war bekannt geworden, dass bei T-Mobile mehr als 17 Millionen Kundendaten mit privaten Angaben wie Adressen, Geburtsdaten, Handynummern und teils auch E-Mail-Adressen gestohlen worden waren. Die Telekom hatte deswegen im Jahr 2006 die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Zuvor musste die Telekom zugeben, dass Journalisten und Mitglieder des Aufsichtsrates ausgespäht worden waren. Die Datenskandale bei der Telekom hatten zu einer Diskussion geführt, ob die derzeit von der Bundesregierung beabsichtigte Verschärfung der Datenschutzrichtlinien ausreichend ist.