Wiesbaden (AFP) — Die Zahl der Einbürgerungen von Ausländern ist in Deutschland im vergangenen Jahr deutlich zurückgegangen. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, erhielten im Verlauf des Jahres 2007 insgesamt 113.000 Ausländer den deutschen Pass. Das waren 9,5 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU), gab angesichts der Zahlen zu bedenken, dass Einbürgerungen wirtschaftliche Vorteile brächten, und forderte zu einem positiveren Umgang mit dem Thema auf. Die Linksfraktion im Bundestag warf der Bunderegierung dagegen vor, Einbürgerungen gezielt zu verhindern.
Im Jahr 2000 hatten die Einbürgerungen mit der Einführung des neuen Staatsangehörigkeitsrechts den Höchststand von knapp 186.700 Personen erreicht. In den Folgejahren nahm die Zahl zunächst jeweils ab; nur 2006 gab es wieder eine Zunahme um 6,5 Prozent. Die größte Gruppe der Eingebürgerten stellten 2007 - wie schon in den Jahren zuvor - Menschen aus der Türkei mit einem Anteil von 25,5 Prozent. Danach folgten Einbürgerungen von Menschen aus Serbien und Montenegro sowie Polen.
Böhmer erklärte in Berlin, es müsse mehr dafür geworben werden, dass in Deutschland lebende Ausländer die deutsche Staatsbürgerschaft annehmen. Erst dann erlangten diese Menschen die vollen staatsbürgerlichen Rechte und Pflichten. Eine aktuelle Studie des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) belege die positiven Effekte von Einbürgerungen auf die ökonomische Situation.
Die migrationspolitische Sprecherin der Linksfraktion, Sevim Dagdelen, kritisierte, Verschärfungen im Staatsangehörigkeitsrecht oder die in einigen Bundesländern eingeführten Tests hätten dazu geführt, dass die Zahl der Einbürgerungen seit 2000 um über 60 Prozent gesunken sei. Der ab kommenden September geltende bundeseinheitliche Einbürgerungstest werde einen weiteren Rückgang bewirken. Die Einbürgerungen müssten erleichtert werden, um Migranten in Deutschland nicht länger rechtlich auszugrenzen, forderte Dagdelen.
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