Düsseldorf/Bonn (AFP) — Nach dem Gasunfall in Mönchengladbach mit mehr als hundert Verletzten steht die nordrhein-westfälische Landesregierung in der Kritik. Die bisherigen Vorkehrungen zum Schutz der Menschen und der Umwelt vor Kohlendioxid-Freisetzungen seien nicht ausreichend, erklärte der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) in Bonn. Mehrere Bürgermeister verlangten den Stopp einer geplanten 67 Kilometer langen Kohlenmonoxid-Pipeline, die zwei Chemie-Standorte des Bayer-Konzerns verbinden soll.
Die Ursache für den Defekt der Löschanlage in einer Mönchengladbacher Fabrik, bei dem größere Mengen an Kohlendioxid (CO2) ausgetreten waren, blieb unterdessen weiter unklar. Der BBU forderte verstärkte rechtliche, technische und organisatorische Maßnahmen zum Schutz vor schweren Unfällen. Außerdem seien Überprüfungen entsprechender Löschanlagen sowie bessere Mess- und Alarmsysteme in Nordrhein-Westfalen notwendig.
Der Bürgermeister der Stadt Monheim, Thomas Dünchheim (CDU), mahnte Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU), den geplanten Bau einer Kohlenmonoxid-Pipeline zu verhindern. Bislang sei die Staatskanzlei jedoch "beratungsresistent" gewesen, sagte Dünchheim der "Rheinischen Post". Der Langenfelder Bürgermeister Magnus Staehlers (CDU) sagte dem Blatt, er hoffe, dass der Unfall die letzten Befürworter der Pipeline aufgerüttelt habe.
Die Polizei in Mönchengladbach ermittelt wegen des Unglücks nach eigenen Angaben in alle Richtungen. Zu der Frage, ob die Tat möglicherweise einen kriminellen Hintergrund haben könnte, wollte ein Polizeisprecher keine Stellung nehmen. Am Samstag war es bei einem Brand in einer Lackfabrik in Mönchengladbach zum Austritt von größeren Mengen an CO2 aus der defekten Löschanlage gekommen. 107 Menschen waren verletzt worden, 19 von ihnen mussten mit Atembeschwerden ins Krankenhaus. Die meisten Patienten konnten nach Angaben eines Polizeisprechers die Klinik bereits wieder verlassen.
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