Hamburg (AFP) — Unter dem Eindruck der globalen Lebensmittelkrise bereiten die G-8-Staats- und Regierungschefs ihr Gipfeltreffen am Montag in Japan vor. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) schickte laut "Spiegel" ein warnendes Schreiben an ihre G-8-Kollegen, in der sie vor internationalen Sicherheitsproblemen als Folge der Nahrungsmittelknappheit warnt. Auch der britische Premier Gordon Brown sagte, Hilfe für die Armen spiele für die Zukunft des Westens eine Schlüsselrolle. In Sapporo unweit des G-8-Tagungsortes Toyako protestierten bereits Tausende gegen das Treffen der Staats- und Regierungschefs.
Die Vertreter der sieben größten Industrienationen und Russlands (G-8) kommen ab Montag in Toyako zu ihrem Jahrestreffen unter japanischem Vorsitz zusammen. Merkel warnt laut "Spiegel" in ihrem sechsseitigen Schreiben an ihre Kollegen, die Lebensmittelkrise könne "die Demokratisierung gefährden, Staaten destabilisieren und sich zu internationalen Sicherheitsproblemen auswachsen". Die Kanzlerin hatte demnach Ende April eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die Ursachen und Folgen der Nahrungsmittelknappheit analysieren und Lösungsvorschläge machen soll.
Die Kanzlerin will nach eigenem Bekunden bei der Bekämpfung der Lebensmittelkrise auf die Förderung der einheimischen Landwirtschaften in den betroffenen Staaten setzen. "Wir werden darüber beraten, wie die Industrieländer den afrikanischen Ländern bei der Stärkung ihrer eigenen bäuerlichen Landwirtschaft helfen können", sagte sie in ihrer wöchentlichen Video-Botschaft. Auch die Problematik der Bio-Kraftstoffe müsse aufs Tapet, "damit hier keine Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion entstehen kann".
Der britische Premierminister Brown sagte in einem Interview mit dem "Guardian", es sei im eigenen Interesse der G-8-Staaten, Armut und Klimawandel in Angriff zu nehmen. Verstärkte Bemühungen bei diesen Problemen seien "auch der Schlüssel zu unserer eigenen wirtschaftlichen Zukunft", sagte Brown. Ähnlich äußerte sich der Präsident der deutschen Sektion des Club of Rome, Max Schön. Es sei volkswirtschaftlich viel günstiger, jetzt die entscheidenden Vermeidungsstrategien anzupacken, als später die Reparaturzeche zu zahlen, sagte er im Deutschlandradio Kultur.
Schnelles Handeln bei Lebensmittelkrise und Klimawandel forderten auch die Demonstranten in Sapporo, von denen nach Angaben der Veranstalter rund 5000 zusammenströmten. Auch japanische Fischer und Reisbauern nahmen an den Protesten teil und forderten eine ausgewogenere Lebensmittelverteilung.
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