Nusa Dua/Brisbane (AFP) — Die USA wollen sich trotz wachsenden internationalen Drucks auch künftig nicht zu verbindlichen Klimaschutzzielen verpflichten. "Unsere Position ändert sich nicht", sagte der Chef der US-Delegation beim Weltklimagipfel auf Bali, Harlan Watson. Die US-Umweltorganisation NET kritisierte den Treibhausgas-Ausstoß der mächtigsten Industrienation der Welt: Fast jeder einzelne US-Bundesstaat stoße mehr klimaschädliches CO2 aus als 50 Entwicklungsländer zusammen. Der neue australische Premierminister Kevin Rudd ruderte bei den Klimaschutz-Zusagen seines Landes wieder zurück.
Die USA würden sich im Rahmen der Weltklimaverhandlungen nicht zu tiefen Einschnitten beim Treibhausgas-Ausstoß verpflichten, betonte Watson in Nusa Dua. Daran ändere weder ein entsprechender Vorstoß des Umweltausschusses im US-Senat etwas noch das Vorhaben Australiens, das Klimaschutz-Protokoll von Kyoto zu ratifizieren. Statt dessen hoffe sein Land darauf, 2008 bei den von US-Präsident George W. Bush initiierten Beratungen von 17 wichtigen CO2-Emittenten eigene Reduktionszahlen präsentieren zu können.
Der Umweltausschuss des von der Demokratischen Partei dominierten US-Senats hatte am Mittwoch für einen Gesetzesvorschlag zur Einführung verpflichtender Obergrenzen für den Treibhausgas-Ausstoß der heimischen Industrie gestimmt. Wird die Vorlage zum Gesetz, könnte der Treibhausgasausstoß des US-Industriesektors bis 2050 um bis zu 70 Prozent verringert werden. Der Chef des UN-Klimasekretariats, Yvo de Boer, begrüßte diese Initiative auf Bali ausdrücklich.
Der Organisation NET zufolge blasen 42 der US-Bundesstaaten - jeder für sich genommen - mehr Kohlendioxid in die Atmosphäre als 50 Entwicklungsländer zusammen. Bei drei US-Bundesstaaten bringe es jeder einzelne von ihnen sogar auf soviel CO2 wie hundert Entwicklungsländer zusammen. Die 24 Millionen Bewohner von Bushs Heimatstaat Texas verursachten alljährlich 696 Millionen Tonnen CO2 und damit mehr als Großbritannien mit 60 Millionen Einwohnern.
Unterdessen lehnte der neue australische Regierungschef Rudd in Brisbane verbindliche Klimaschutz-Zusagen zur Treibhausgas-Senkung um 25 bis 40 Prozent binnen zwölf Jahren ab. Er widersprach damit seiner Delegation auf Bali, derzufolge Australien ein solches Reduktionsziel für die Industrienationen unterstützt.
Dabei ist laut einer Studie der Umweltschutzorganisaton WWF schnelles Handeln vonnöten: Demnach wird der Amazonas-Regenwald durch den Klimawandel noch schneller zerstört als ohnehin befürchtet. "Wenn es nicht gelingt, dem Kahlschlag und der globalen Erwärmung wirksam zu begegnen, werden schon bis 2030 rund 55 Prozent des größten Regenwaldgebiets der Erde Feuer, Dürre und Holzeinschlag zum Opfer fallen", warnten die Umweltschützer
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