Deutscher Einzelhandel hofft auf Umsatzplus von zwei Prozent

Düsseldorf (AFP) — Trotz Bankenkrise und Rezessionsangst in den USA rechnet der deutsche Einzelhandel für 2008 weiter mit einem Umsatzplus von zwei Prozent. "Eine gute Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt, steigende Löhne und Gehälter sorgen noch für eine Aufhellung und können den Konsum stimulieren", sagte der Hauptgeschäftsführer des Branchenverbandes HDE, Stefan Genth. Der Optimismus der Branche nach einem schwachem vergangenen Jahr spiegelt sich im Ergebnis der traditionellen HDE-Frühjahrsumfrage wider: 35 Prozent der Händler erwarten im ersten Halbjahr ein Umsatzplus, 45 Prozent rechnen mit Umsätzen auf Vorjahresniveau.

Genth betonte, der Konsum in Deutschland hänge im Gegensatz zu den USA oder Großbritannien nicht unmittelbar von der Entwicklung an den Börsen ab. Deshalb würden die Auswirkungen der Finanzkrise auf den Konsum hierzulande "vorerst gering" sein. Unter dem Strich werde das erste Quartal für den Einzelhandel besser ausfallen als der Vorjahreszeitraum, in dem die Mehrwertsteuererhöhung der Branche schwer zugesetzt habe. Im Gesamtjahr 2007 hatte der Einzelhandel ein nominales Umsatzminus von 0,8 Prozent hinnehmen müssen.

Als größtes Risiko für die Konjunktur im Handel nannte Genth die Entwicklung der Preise. "Ein fortgesetzter deutlicher Anstieg der Preise könnte die Belebung des Konsums empfindlich stören". Der HDE erwarte jedoch, dass sich der Preisanstieg im Jahresverlauf etwas abflache. Dennoch müssten sich die Verbraucher wegen steigender Rohstoff-, Energie- und Transportkosten mit stärkeren Preisschwankungen vor allem bei Lebensmitteln rechnen. Der intensive Wettbewerb im Einzelhandel werde jedoch für "faire Preise" sorgen.

Mit Blick auf den seit 15 Monaten andauernden Tarifkonflikt im Einzelhandel erneuerte Genth die Arbeitgeberforderung nach einer Neuregelung der Spät-, Samstags- und Nachtzuschläge. Die entsprechenden Tarifvereinbarungen müssten den liberaliserten Ladenöffnungszeiten angepasst werden. Genth zufolge stelle der HDE angesichts der bislang längsten Tarifrunde im Einzelhandel seinen Mitgliedsunternehmen zwischenzeitlich frei, bis zu einer Einigung mit der Gewerkschaft Verdi vorläufige Zahlungen an die Mitarbeiter zu leisten.

Eine grundsätzliche Absage erteilte der HDE-Hauptgeschäftsführer der Einführung von Mindestlöhnen. Gesetzliche Lohnuntergrenzen bedeuteten "den Anfang vom Ende der Tarifautonomie". Der Handel stehe zum flächendeckenden Tarifvertrag, bekräftigte Genth. Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) wisse, "dass es vom Einzelhandel keinen Antrag auf Aufnahme in das Entsendegesetz geben wird".