Rom (AFP) — Nach dem gewaltsamen Tod eines italienischen Fußballfans durch eine Polizeikugel und den darauf folgenden Ausschreitungen haben die Behörden Maßnahmen für mehr Sicherheit bei Fußballspielen ergriffen. Die dem italienischen Innenministerium angeschlossene Organisation für Sicherheit im Sport entschied, dass gewaltbereite Fans künftig nicht mehr in Gruppen reisen dürfen. Die Justiz leitete gegen den verantwortlichen Polizisten ein Verfahren wegen fahrlässiger Tötung ein. Der Beamte beschrieb den Vorfall in einem Interview als Versehen und zeigte sich bestürzt.
"Gruppenreisen gewaltbereiter Fußballfans sind nicht länger erlaubt", erklärte die Organisation für Sicherheit im Sport. Nur jene Fangruppen, deren sportliches und gutes Verhalten erwiesen ist, dürfen demnach weiter zu Fußspielen anreisen. Die Präfekten hätten künftig die Möglichkeit, Fußballspielen nach gewaltsamen Zwischenfällen unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden zu lassen und Partien sogar ganz absagen.
Der Fußballfan Gabriele Sandri war am Sonntag bei einem Polizeieinsatz auf einer Autobahnraststätte bei Arezzo in der Toskana erschossen worden. Nach Angaben des Präfekten von Arezzo, Vincenzo Giacobbe, nahmen die Polizisten eine Routinekontrolle an einer Autobahnraststätte vor, als sie auf der anderen Seite der Fahrbahn Schreie hörten. Ein Beamter habe Warnschüsse abgeben wollen, dabei aber ein Auto mit fünf jungen Leuten getroffen, die zu einem Spiel von Lazio Rom nach Mailand fahren wollten. Sandri sei am Hals getroffen worden.
Der Polizist räumte in einem Interview mit der Zeitung "Corriere della Sera" vom Montag den tödlichen Schuss ein, betonte aber, auf niemanden gezielt zu haben. "Ich war mindestens 200 Meter weit weg, wie hätte ich das tun sollen?", sagte er. Den ersten Schuss habe er in die Luft abgegeben, der zweite sei losgegangen, als er gelaufen sei.
Sandris Tod löste in ganz Italien Ausschreitungen von Fans aus, die in Rom besonders gewalttätig waren. Laut Ansa wurden dort 40 Polizisten mit Verletzungen im Krankenhaus behandelt. In Rom hatten hunderte teils maskierte und mit Schlagstöcken bewaffnete Fans Polizeikasernen angegriffen, einen Bus und andere Fahrzeuge angezündet und den Sitz des nationalen Olympischen Komitees gestürmt. Die Polizei ging mit Tränengas gegen die Menge vor.
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