Mehdorn kommt älteren Bahnkunden bei Schaltergebühr entgegen

Berlin (AFP) — Deutsche-Bahn-Chef Hartmut Mehdorn hat im Streit um geplante Schaltergebühr ein erstes Entgegenkommen signalisiert. Von dem Zuschlag beim Fahrkartenkauf am Schalter sollten neben Behinderten auch Besitzer der BahnCard Senior ausgenommen werden, sagte Mehdorn. Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) kritisierte das Einlenken jedoch als "noch nicht ausreichend und deshalb so nicht akzeptabel". Der geplante Bedienzuschlag von 2,50 Euro sei insgesamt "kontraproduktiv und nicht gut für ein dienstleistungsorientiertes Unternehmen", erklärte der Minister. Mehdorn beklagte unterdessen auch einen ungerechten Wettbewerb im Schienenverkehr und warf Konkurrenten Lohndumping vor.

Mehdorn verteidigte die von der Bahn geplanten neuen Gebühren sowie die Fahrpreiserhöhung im Dezember unter Hinweis auf hohe Personalkosten. Angesichts der hohen Lohnabschlüsse bei der Bahn und den gestiegenen Energiekosten seien die Preiserhöhungen "mehr als kommod", sagte der Bahn-Chef. Zum Bedienzuschlag kündigte er auch an, darauf solle für Besitzer der BahnCard Senior verzichtet werden. Diese ist ab 60 Jahren erhältlich und deutlich günstiger als die normale BahnCard. Schwerbehinderte sollen den Zuschlag zudem bereits ab einem Behinderungsgrad von 50 Prozent nicht zahlen müssen. Zuvor hatte die Bahn die Grenze auf 70 Prozent festgelegt.

Tiefensee teilte mit, er habe wegen der Schaltergebühr in den vergangenen zwei Wochen mehrere Gespräche mit Mehdorn geführt "und ihm meine Kritik an dem Bedienzuschlag deutlich gemacht". Den Kunden der Bahn werde bei der Suche nach Hilfe und Beratung eine Barriere zugemutet, obwohl gerade angesichts des komplexen Tarifgefüges der DB AG Serviceorientierung dringend notwendig sei.

Mehdorn hob hervor, mit dem anstehenden Börsengang der Bahn hätten die höheren Preise nichts zu tun. Von diesem profitierten die Bahn-Kunden hingegen, etwa durch einen "schnellen Schub an Investitionen" in die Infrastruktur - etwa in neue Züge, die Bahnhöfe, das Gleisnetz und in Lärmschutz.Zur Wettbewerbssituation sagte der Bahn-Chef, es bestehe die Gefahr, dass die Konkurrenz auf der Schiene "in reines Lohndumping ausartet".

Zugleich verteidigte Mehdorn das Vorgehen der Bahn, die mit ihrer Tochterfirma Heidekrautbahn eine Ausschreibung für eine Regionalstrecke in Nordrhein-Westfalen gewonnen hat - und dabei ebenfalls auf niedrigere Löhne als bei der DB-Regionalverkehrstochter setzte.

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