Köln/Düsseldorf (AFP) — Pünktlich um 11.11 Uhr hat im Rheinland der Straßenkarneval begonnen. Zur Weiberfastnacht stürmten Frauen unter anderem in Köln und Düsseldorf die Rathäuser und übernahmen symbolisch für einen Tag die Macht. Nach alter Tradition dürfen sie zu diesem Anlass Männern die Krawatten abschneiden. Bis zum Aschermittwoch regieren nun die Jecken in den Karnevalshochburgen. Höhepunkte der närrischen Jahreszeit sind die Rosenmontagszüge etwa in Köln, Düsseldorf und Mainz, zu denen wieder Millionen Menschen erwartet werden.
In Düsseldorf schnitten die "jecken Wiever" (närrischen Weiber) nach dem Sturm auf das Rathaus auch Oberbürgermeister Joachim Erwin (CDU) den Schlips ab. Das Stadtoberhaupt hatte sich "wie immer 22 Stück" mitgebracht, die nach und nach von den Frauen gekürzt wurden.
Die Düsseldorfer Altstadt und der Rathausvorplatz waren nach Angaben eines Polizeisprechers "rappelvoll". Dass zwischenzeitlich sogar die Sonne schien, bewertet er als "extrem weiberfreundlich". Auch in Köln versammelten sich bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt allein auf den Plätzen Alter Markt und Heumarkt laut Polizei etwa 15.000 Menschen.
Gegen Mittag schickten sich auch die Frauen an der "Wiege der Weiberfastnacht" im Bonner Stadtteil Beuel an, unter Führung von "Wäscherprinzessin" Melanie III. die alleinige Herrschaft im Rathaus zu übernehmen. In Beuel hatten sich erstmals 1824 die Wäscherinnen zusammengetan, um sich gegen ihre Ausbeutung und die Dominanz der Männer zu wehren. Daraus entstand der Brauch der symbolischen Machtübernahme am Donnerstag vor Karneval.
Die Kölner feiern die diesjährige Karnevalssession in Anspielung auf die reiche Kulturlandschaft ihrer Stadt unter dem Motto "Jeschenke för Kölle - uns Kulturkamelle" ("Geschenke für Köln - unsere Kulturbonbons"). Das närrische Treiben in Düsseldorf steht unter dem Motto "Mer kann och alles överdriewe", ("Man kann auch alles übertreiben") während in Mainz die Parole lautet "Fassenacht im Sauseschritt - kommt nach Mainz, macht alle mit".
Immerhin fast jeder dritte Deutsche (30 Prozent) will einer repräsentativen Umfrage zufolge letzterer Aufforderung Folge leisten und in diesem Jahr Karneval oder Fasching feiern. Dabei wollen die Bürger in Ostdeutschland mit 43 Prozent häufiger "unter die Jecken gehen" als die Westdeutschen mit 27 Prozent, wie der Nachrichtensender n-tv berichtete.
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