Beinahe-Flugkatastrophe in Hamburg wird untersucht

Hamburg/Berlin (AFP) — Nach der Beinahe-Flugkatastrophe in Hamburg hat die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) Ermittlungen aufgenommen. Ziel sei es, künftige Unfälle zu verhüten, sagte ein Sprecher. Sowohl die beinahe verunglückte Lufthansa-Maschine als auch die beiden Piloten gehen derweil schon am Dienstag wieder in die Luft. Der Flügel des Airbus A320 sei repariert, die Maschine stehe zur Verfügung, sagte ein Lufthansa-Sprecher. Auch der 39-jährige Kapitän und die 24-jährige Kopilotin seien schon wieder im Dienst.

Der mit 131 Passagieren besetzte Flieger aus München war am Samstag beim Landeanflug kurz vor dem Aufsetzen von einer Windböe erfasst worden und ins Schlingern geraten. Ein Flügel berührte mit der äußersten Spitze die Piste, doch der Kapitän brachte mithilfe eines Durchstart-Manövers die Maschine wieder unter Kontrolle. Die Passagiere blieben laut Lufthansa unverletzt, einige erlitten jedoch einen Schock.

Der Pilot habe eine schwierige Situation "sehr gut und sehr professionell gemeistert", sagte der Vizepräsident der Pilotenvereinigung Cockpit, Niels Stüben, im rbb-Inforadio. Er übte Kritik am Hamburger Flughafen, der der Maschine eine bestimmte Landebahn zugewiesen habe, obwohl gerade die andere - gegen den Wind liegende - Bahn für die Wetterbedingungen optimal geeignet gewesen wäre. Sie sei schließlich auch für den zweiten Landeanflug erfolgreich genutzt worden.

Ein BFU-Sprecher sagte, genau diese Frage werde seine Behörde untersuchen. Neben den vom Flughafen an ankommende Maschinen gesendeten Wetter- und Landeinformationen würden der Flugschreiber sowie der Sprechverkehr der Flugsicherung analysiert und die Besatzungsmitglieder befragt. Zusätzlich habe die BFU beim Deutschen Wetterdienst ein Gutachten angefordert.

An anderen Orten war der Durchzug des Orkantiefs Emma weniger glimpflich abgelaufen als in Hamburg. In Europa kamen mindestens 13 Menschen ums Leben, sieben von ihnen stammten aus Deutschland. Der insgesamt entstandene Sachschaden ließ sich nach Angaben der Münchener Rückversicherung am Montag noch nicht schätzen. Mitarbeiter der Deutschen Bahn räumten etwa 300 umgestürzte Bäume von den Gleisanlagen und reparierten ramponierte Gleise und Oberleitungen. Der Bahnverkehr sei "ohne wetterbedingte Beeinträchtigungen" in die neue Woche gestartet, erklärte ein Sprecher.