Johannesburg (AFP) — Angesichts der fremdenfeindlichen Ausschreitungen in Südafrika hat Staatschef Thabo Mbeki vor einer Rückkehr in die von Gewalt geprägte Zeit der Apartheid gewarnt. Die Gewalt gegen Ausländer könne Südafrika zurück in den brutalen Konflikt der Vergangenheit führen, "und das kann sich niemand von uns leisten", sagte Mbeki in einer in Radio und Fernsehen ausgestrahlten Ansprache. Seit Beginn der ausländerfeindlichen Angriffe vor zwei Wochen sind zehntausende Menschen aus ihren Häusern vertrieben worden. Die Zahl der Toten stieg auf mindestens 50.
"Diese beschämenden Taten einiger Weniger haben den Namen Südafrikas beschädigt", sagte der Präsident. "Niemals seit dem Entstehen unserer Demokratie (1994) haben wir so etwas Unmenschliches gesehen." Bereits am Samstag hatte Mbeki seine "Scham" über die Ereignisse in Johannesburg und anderen Städten ausgedrückt, nachdem er wegen seiner anfänglichen Zurückhaltung zusehends unter Druck geraten war. Der Chef der Regierungspartei ANC, Jacob Zuma, rief unterdessen bei einem Besuch in von der Gewaltwelle betroffenen Siedlungen im Osten Johannesburgs zum Frieden auf.
Allein das Rote Kreuz kümmerte sich nach eigenen Angaben am Wochenende um 25.000 Flüchtlinge, hauptsächlich in Johannesburg. Viele Flüchtlinge schliefen in Polizeistation, Gemeindezentren und Kirchen sowie in Zelten, sagte die Direktorin des Roten Kreuzes für das südliche Afrika, Françoise Le Goff. In Kapstadt suchten nach Angaben der Stadtverwaltung rund 10.000 Menschen Zuflucht in Lagern. Nach Polizeiangaben starben alleine in der Region um Johannesburg bislang 50 Menschen, etwa 700 wurden verhaftet.
Fast 20.000 Mosambikaner flohen vor der Gewalt in ihre Heimat, wie der mosambikanische Vize-Außenminister Henrique Banze sagte. Die Regierung habe drei Lager um die Hauptstadt Maputo eingerichtet, um den Flüchtlingsstrom zu bewältigen. Viele der Opfer stammen auch aus Simbabwe. Der simbabwische Präsident Robert Mugabe versprach, seinen vertriebenen Landsleuten bei ihrer Rückkehr in die Heimat Land zu geben.
Die Unruhen hatten am 11. Mai in einem Vorort von Johannesburg begonnen. In den Siedlungen, wo 40 Prozent Arbeitslosigkeit herrscht, werfen die Einwohner den Ausländern vor, sie nähmen ihnen die Jobs weg. Bislang gab es in sieben von neun Provinzen Unruhen.
Copyright © 2009 AFP. Alle Rechte vorbehalten. Mehr »
