IAEA kritisiert USA und Israels Umgang mit Reaktor in Syrien

Wien/Washington (AFP) — Mit Verärgerung hat die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) auf die Veröffentlichung von US-Geheimdienstberichten über den Bau eines Atomreaktors in Syrien mit nordkoreanischer Hilfe reagiert. Die Behörde teilte in Wien mit, sie nehme die Informationen ernst und prüfe sie. Zugleich übte sie Kritik am Vorgehen der USA und Israels. Washington hatte Nordkorea offiziell beschuldigt, Syrien beim Bau eines geheimen Atomreaktors geholfen zu haben. Die Anlage wurde nach US-Geheimdienstangaben im September 2007 bei einem israelischen Luftangriff zerstört. Damaskus wies die Anschuldigungen zurück.

Die Behörde werde die Informationen über den mutmaßlichen Atomreaktor "mit der gebotenen Ernsthaftigkeit" behandeln und prüfen, erklärte die IAEA. Syrien sei wegen seiner Vereinbarungen mit der IAEA verpflichtet, Planungen für den Bau möglicher Atomanlagen mitzuteilen. IAEA-Generaldirektor Mohamed ElBaradei bedaure die Tatsache, dass die Informationen nicht "frühzeitig" an die IAEA weitergeleitet worden seien, hieß es. Laut Atomwaffensperrvertrag müsse die Behörde alle Anschuldigungen möglicher atomarer Weiterverbreitung prüfen.

In diesem Zusammenhang kritisierte ElBaradei das einseitige militärische Vorgehen Israels. Durch den Luftangriff auf den mutmaßlichen Reaktor werde der Prozess der Überprüfung, der im Mittelpunkt des Systems zur Nichtweiterverbreitung von Atomwaffen stehe, untergraben, erklärte die IAEA. Die Behörde erhielt nach eigenen Angaben erst am Donnerstag die US-Geheimdienstinformationen über den mutmaßlichen Reaktor.

Ein US-Regierungsvertreter beschuldigte Damaskus, mit dem Bau der Anlage den seit 1970 gültigen Atomwaffensperrvertrag verletzt zu haben. Die USA hätten deshalb ElBaradei über ihre Erkenntnisse unterrichtet. Es sei der Wunsch der USA, dass die IAEA Inspektoren nach Syrien entsende, sagte der US-Vertreter.

"Wir haben gute Gründe für die Annahme, dass der Reaktor, der am 6. September vergangenen Jahres komplett zerstört wurde, nicht für friedliche Zwecke bestimmt war", hieß es in einer Erklärung des Weißen Hauses, die nach einem Briefing für Abgeordnete durch ranghohe US-Sicherheitsvertreter veröffentlicht wurde.

Syriens Botschafter in Washington, Imad Mustafa, nannte die Anschuldigungen "lächerlich". Syrien sicherte seine Bereitschaft zur weiteren Zusammenarbeit mit der IAEA zu. "Syrien hat nichts zu verstecken", sagte der UN-Botschafter der Regierung in Damaskus, Baschaar Dschaafari, in New York.