Weltbank fordert mehr Aufmerksamkeit für Landwirtschaft

Washington/Berlin (AFP) — Bei der internationalen Entwicklunghilfe sollte nach Ansicht der Weltbank künftig wieder ein größerer Schwerpunkt auf die Landwirtschaft gelegt werden. "Wir müssen der Landwirtschaft eine höhere Priorität geben", sagte Weltbank-Präsident Robert Zoellick zur Eröffnung der traditionellen Jahrestagung seiner Organisation in Washington. Dem Weltbank-Chef zufolge leben 75 Prozent der Armen in der Welt in ländlichen Gebieten. Hilfsorganisationen forderten die Organisation zu einem Kurswechsel auf. Sie müsse auch die sozialen und ökologischen Funktionen von Landwirtschaft berücksichtigen, sagte ein Vertreter von Misereor.

Aus dem von Zoellick vorgelegten Weltentwicklungsbericht geht hervor, dass die Unterstützung für landwirtschaftliche Projekte in Entwicklungsländern durch die Weltbank von 1980 bis 2000 stetig zurückging. Danach ging es zwar wieder leicht bergauf, aber das reiche nicht aus, betonte Zoellick. Lediglich vier Prozent der Entwicklungshilfe von Staaten oder offiziellen Organisationen gingen in die Landwirtschaft.

Die Weltbank wird nach eigenen Angaben in diesem Jahr Kredite in Höhe von insgesamt 3,1 Milliarden Dollar (rund 2,2 Millionen Euro) für die Entwicklung der Landwirtschaft zur Verfügung stellen. Zusätzlich müssten aber Industrieländer auf globaler Ebene verzerrende Subventionen abbauen und Märkte öffnen.

Grundlegende Kritik am Weltentwicklungsbericht formulierte der "EcoFair Trade Dialogue", eine gemeinsame Initiative des Hilfswerks Misereor, der Heinrich-Böll-Stiftung und des Wuppertal Instituts zur Reform des Weltagrarhandels. Trotz guter Analysen würden nicht die richtigen Schlussfolgerungen gezogen, heißt es in einem Analysepapier, das anlässlich der Herbsttagung von IWF und Weltbank präsentiert wurde.

So sei es zwar begrüßenswert, dass sich der Weltentwicklungsbericht erstmals seit 1982 wieder dem Thema Landwirtschaft widme. "Die Landwirtschaft wird jedoch ausschließlich durch die ökonomische Brille betrachtet; ihre vielfältigen sozialen und ökologischen Funktionen werden nicht angemessen bewertet", erklärte Bernd Bornhorst, Leiter der Abteilung Entwicklungspolitik bei Misereor. Deshalb gelinge es dem Bericht auch nicht, tragbare Visionen für die globale Landwirtschaft der Zukunft zu entwickeln.