Berlin (AFP) — Im Kampf der Milchbauern für höhere Preise haben Bund und Länder, Handel und Molkereien ihre Hilfe zugesichert. Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) kündigte nach dem Milchgipfel in Berlin an, er werde sich in Brüssel für einen millionenschweren Milchfonds für die deutschen Bauern einsetzen. Die Länder wollen bereits im Herbst Verordnungen mit dem Ziel einer Preiserhöhung verabschieden. Der Handel kündigte den Verzicht auf die Werbung für Tiefstpreise für Milchprodukte an. Die Entscheidung, höhere Preise zu zahlen, liege aber letztlich beim Verbraucher, sagte Seehofer.
Seehofer bezeichnete das Treffen in Berlin und auch die vorangegangenen getrennten Gespräche mit Bauern, Handel und Molkereiwirtschaft als "konstruktiv und gut". Ziel seien kostendeckende und faire Preise für die Bauern gewesen, um damit die Milchwirtschaft in Deutschland zu erhalten. Dies sei auch im Interesse der Verbraucher, die nicht eines Tages von Exporten aus dem Ausland abhängig sein sollten.
Er werde sich beim Treffen der Agrarminister im November dafür einsetzen, dass die EU einen Milchfonds für die deutschen Bauern auflegt, aus dem möglichst bereits ab dem kommenden Jahr 300 Millionen Euro jährlich an Ausgleichszahlungen etwa für Landwirte in schwer zu bewirtschaftenden Gebieten fließen sollen, kündigte Seehofer an. EU-Agrarkommissarin Mariann Fischer Boel lehnt einen solchen Extra-Fonds bislang ab.
Im Bundesrat sollen im Herbst ein neuer Umrechnungsfaktor für Milch und die Abschaffung der Regelung beschlossen werden, nach der Milcherzeuger bei Molkereien mehr Milch anliefern dürfen als ihnen per Quote erlaubt ist. Dadurch würde das Überangebot abgebaut, und die Preise könnten steigen.
"Dringend notwendig" sei es in Deutschland zudem, die Angebotsmacht der Molkereien gegenüber dem Lebensmitteleinzelhandel zu stärken, sagte Seehofer. Der Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbandes HDE, Stefan Genth, versicherte, der Lebensmitteleinzelhandel setze auf deutsche Produkte.
Der Präsident des Milchbauernverbandes BDM, Romuald Schaber, bezeichnete die Ergebnisse des Milchgipfels als "ersten wichtigen Schritt" auf dem Weg zu kostendeckenden Preisen für die Landwirte.
Die Milchbauern bekommen derzeit je nach Region und Molkerei zwischen 30 und 34 Cent pro Liter Milch - kostendeckend wäre nach Angaben des BDM ein Auszahlungspreis von 43 Cent.
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