Säuglinge in China an verunreinigtem Milchpulver erkrankt

Peking (AFP) — Im Skandal um verunreinigtes Milchpulver sind in China hunderte Säuglinge und Kleinkinder an Nierensteinen erkrankt. Es gebe bisher Informationen über 432 Fälle, sagte Gesundheitsminister Gao Qiang. An dem vergifteten Produkt starb bereits mindestens ein Säugling. Die Herstellerfirma Sanlu verkaufte nach Angaben seines Ministeriums wochenlang wissentlich das mit der Industriechemikalie Melamin verseuchte Pulver und entschloss sich erst am Donnerstag nach Berichten über mehrere erkrankte Babys zum Rückruf. Sanlu musste die Produktion inzwischen einstellen. In Taiwan beschlagnahmten die Behörden mehrere Tonnen der verunreinigten Babynahrung.

Das chinesische Gesundheitsministerium rief die Verbraucher auf, das Milchpulver nicht mehr zu benutzen und einen Arzt aufzusuchen, wenn ihre Babys Probleme beim Wasserlassen hätten. Zudem sicherte die Regierung kostenlose ärztliche Versorgung zu. Melamin wird eigentlich zur Herstellung von Plastik und Klebstoffen verwendet. Bauern und Milchbetriebe fügen das Pulver laut Gao jedoch auch Milch zu, um deren Proteingehalt zu steigern. Diese kann dann Nierensteine verursachen, die bei Babys eigentlich höchst selten auftreten.

"Wir werden die Menschen und Arbeiter, die illegal gehandelt haben, streng bestrafen und zur Disziplin rufen", sagte Gao vor Journalisten. Nach Angaben des Gouverneurs der nördlichen Provinz Hebei, Yang Zongyong, wurden bisher 19 Menschen festgenommen und 78 weitere verhört. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) unterstützt nach eigenen Angaben die chinesischen Behörden bei der Behandlung des Falles. In ganz China nahmen die Supermarktketten Wal-Mart und Carrefour das Milchpulver aus den Regalen.

Die taiwanischen Behörden stellten nach Angaben der örtlichen Gesundheitsbehörden bisher mehr als ein Drittel der 25 aus China eingekauften Tonnen der Säuglingsnahrung sicher. Nach der restlichen Lieferung werde noch gefahndet.

China hat seit einigen Jahren mit schlechter Produktqualität zu kämpfen, die zu Krankheits- und Todesfällen führte. Die Behörden starteten eine Kampagne, um Fälscher und Panscher ausfindig zu machen und zu bestrafen.