2600 Post-Beschäftigte in vier Bundesländern im Ausstand

Berlin/Bonn (AFP) — Am vierten Tag der Warnstreiks bei der Deutschen Post haben nach Gewerkschaftsangaben rund 2600 Beschäftigte des Unternehmens ihre Arbeit niedergelegt. In Hessen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen blieben knapp vier Millionen Briefe und 50.000 Pakete liegen, wie die Gewerkschaft Verdi mitteilte. Die Post nannte diese Zahlen allerdings "total übertrieben". Auch für Samstag kündigte die Gewerkschaft Warnstreiks an. Mit den Protesten will Verdi eine Erhöhung der Arbeitszeit verhindern. Die nächste Verhandlungsrunde beginnt am kommenden Mittwoch im Rheinland.

In Hessen legten auch rund 100 Beschäftigte des Briefzentrums Offenbach die Arbeit nieder, so dass 400.000 Briefe im gesamten Bundesgebiet verspätet ausgeliefert werden. Ebenso wurde das internationale Postzentrum im hessischen Niederaula bestreikt, Briefe und Päckchen aus dem Ausland oder mit ausländischem Ziel wurden nicht weitergeleitet. Dies solle der Post verdeutlichen, dass die Beschäftigten in der Tarifauseinandersetzung hinter der Gewerkschaft Verdi stünden, betonte ein Sprecher. Ein Post-Sprecher sagte, liegengebliebene Briefe und Pakete würden spätestens einen Tag später zugestellt.

Verdi fordert, die Arbeitszeit für die 55.000 Post-Beamten bei 38,5 Stunden festzuschreiben. Die Gewerkschaft befürchtet, dass mit der längeren Arbeitszeit etwa 5000 Arbeitsplätze überflüssig würden. Für die insgesamt rund 130.000 Post-Beschäftigten fordert Verdi außerdem eine Verlängerung des Ausschlusses betriebsbedingter Kündigungen bis ins Jahr 2011. Die Post äußerte erneut Unverständnis für die Warnstreiks. Sie sei zu konstruktiven Verhandlungen bereit, sagte der Post-Sprecher.

Einen Anspruch auf Schadenersatz bei streikbedingten Verzögerungen haben Post-Kunden nicht, wie das Postkundenforum in Berlin mitteilte. Wichtige Unterlagen, die fristgerecht ankommen sollen, sollten die Kunden daher lieber von einem Expressdienstleister befördern lassen, empfahl der Verein, in dem Einzelkunden und Unternehmen zusammengeschlossen sind.